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04. Januar 2015

AfD Lucke: Lonely Lucke

 Von 
Lieblingsthema Euro: AfD-Chef Bernd Lucke in Straßburg.  Foto: dpa

Der Parteikollege von Bernd Lucke, Alexander Gauland, wirft dem AfD-Chef vor, sich von den wichtigen Themen zu entfremden. Dabei hielt er Lucke anfänglich für eine charismatische Führungsfigur.

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Als er Bernd Lucke kennenlernte, war Alexander Gauland überzeugt: „Das kann was werden“. Schon lange träumte der frühere CDU-Politiker von einer konservativen Partei mit einer charismatischen Führungsfigur. Er glaubte, sie entdeckt zu haben. Im April 2013 fand der Gründungsparteitag der gemeinsamen „Alternative für Deutschland“ statt. Doch zwei Jahre und vier Wahlerfolge später scheint das Tischtuch zwischen dem konservativen Publizisten Gauland und dem eurokritischen Professor Lucke zerschnitten zu sein. Der 73-jährige Gauland steht an der Spitze eines Flügels, welche die Konzentration von Luckes Macht und Einfluss zurückdrängen will. Aus Sicht dieser Gruppe ist der wichtigste unter den Parteigründern mittlerweile zu einer Belastung geworden.

Mitleid ist allerdings fehl am Platz, Lucke hat den Konflikt selbst herauf beschworen. In den Medien, allen voran den Fernseh-Talkshows, repräsentierte er die AfD so gut wie allein. Er war es, der intern für Ordnung im Chaos der Parteibildung sorgte und dabei nichts delegierte. Aber gemäß Parteisatzung ist Bernd Lucke nur einer von drei nominell gleichberechtigten Sprechern.

Das will er ändern, er will weiter die zentrale Figur bleiben – allein. Auf dem Parteitag, der am 31. Januar in Bremen beginnen soll, soll eine neue Satzung beschlossen werden, in der nur noch ein Vorsitzender und drei Stellvertreter vorgesehen sind.

Doch der beurlaubte Wirtschaftsprofessor hat vor dem Vorschlag nicht bedacht, dass sich das politische Gewicht in der Partei geändert hat – und das nicht zu seinen Gunsten. Bei der Bundestagswahl kratzte die AfD noch mit seinem Zentralthema an der Fünf-Prozent-Hürde: Der Eurokritik. Ins Europaparlament zog die AfD zwar auch mit den Ökonomen Lucke und Hans-Olaf Henkel, Ex-Chef des Bundesverbands der deutschen Industrie (BDI) an der Spitze ein. Aber andere Themen, wie die Zuwanderungspolitik und allgemeinen Parteienkritik waren da in den Vordergrund getreten und hatten den Anti-Eurokurs verdrängt.

Verständnis für Pegida

In den drei Landtagswahlkämpfen in Brandenburg, Thüringen und Sachsen spielte die Eurofrage so gut wie keine Rolle mehr. Dafür punktete die Partei mit ihrer Kritik an der harten Haltung des Westens gegenüber Russland – das Lieblingsthema des starken Mannes der Brandenburger AfD, Alexander Gauland. Er führt dort in Personalunion den Landesverband und die Landtagsfraktion. Darüber hinaus ist er stellvertretender Bundessprecher.

„Es ist nicht logisch, die Spitze zu verengen, wenn sich unsere Basis verbreitert“, sagte Gauland der Frankfurter Rundschau. Es sei zudem „ein Problem“, dass Lucke eine „gewisse Distanz“ zu den Themen habe, mit denen die Partei zur Zeit punkte, kritisierte der 73-Jährige. Er meint damit das Verständnis der AfD für die Demonstranten von Pegida, die scharfe Kritik an der vorherrschenden Ausländerpolitik sowie die Zustimmung zur Haltung Russlands im Konflikt um die Ukraine. „Die erfolgreichen Wahlkämpfer der letzten Monate sind näher an den Menschen“ als der Vorsitzende, erklärte der frühere CDU-Politiker. Lucke, der vor allem für die Kritik der AfD an der „verhängnisvollen Euro-Politik der Bundesregierung“ stehe, brauche in wichtigen Fragen Unterstützung an der Parteispitze, sagte Gauland.

In der AfD wird darüber spekuliert, ob Lucke sich aus der Parteiführung oder gar der Partei zurückziehe, wenn er mit seinen Plänen der Alleinherrschaft scheitert. Schon eine Drohung käme für Gauland einer Erpressung gleich. „Und so wollen wir doch nicht miteinander umgehen.“ Öffentlich hat Lucke noch nie etwas in diese Richtung angedeutet.

Konrad Adam (l-r), Frauke Petry und Bernd Lucke freuen sich während des Gründungsparteitages der Partei Alternative für Deutschland (AfD).  Foto: dpa

Die Konfliktparteien streben eine Kraftprobe am 18. Januar an. Für neun Uhr Morgens haben Gauland, Frauke Petry, Konrad Adam und andere AfD-Spitzenfunktionäre Lucke zu einem „offenen und ehrlichen Gespräch“ nach Frankfurt eingeladen. Damit wollen sie dem Vorsitzenden zuvor kommen. Lucke hatte die Kreisvorsitzenden der Partei bereits vor einigen Tagen für einen späteren Zeitpunkt in die Mainmetropole bestellt. Die Kritiker werfen Lucke in ihrer Einladung vor, durch „Führung nach Gutherrenart“ wolle er die Partei „auf Linie“ bringen. Es sei noch nicht klar, ob beide Treffen stattfänden, sagte Gauland.

AfD-Vizechef Hans-Olaf Henkel schlägt sich indessen auf Luckes Seite. Die Partei gebe oft ein schlechtes Bild ab, weil die bisherigen drei Sprecher Gegensätzliches von sich gäben, sagte er. Die „Kakophonie der letzten Wochen“ liefere den Beweis dafür, dass Lucke richtig liege. Außerdem kämen die meisten AfD-Landesverbände mit einem Vorsitzenden aus, auch die der Kritiker. Lucke und Henkel machen auch kein Hehl daraus, dass ihnen die Pegida-Demonstranten suspekt sind, da sie keine klare Grenze zu den Rechtsradikalen ziehen. Die Dresdener Landeschefin und Co-Bundessprecherin Petry hat sie dagegen für Mittwoch zu einem Treffen eingeladen.

Bernd Lucke selbst schweigt. Er sei im Skiurlaub, lässt er ausrichten. Mit den Vorstandsmitgliedern über die Medien zu kommunizieren, das wolle er nicht.

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