Aktuell: Wochenend-Magazin FR7 | Medikamententests an Heimkindern | Türkei | Flucht und Zuwanderung | USA nach der Wahl
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Politik
Nachrichten und Kommentare zur Politik in Deutschland und der Welt

22. März 2016

AfD zu Brüssel: AfD nutzt Anschläge für Propaganda

 Von 
AfD-Frau Beatrix von Storch lässt es sich nicht nehmen, die Terroranschläge in Brüssel politisch zu instrumentalisieren.

Die AfD-Europaabgeordneten Marcus Pretzell und Beatrix von Storch halten sich zum Anschlagszeitpunkt in Brüssel auf - und nutzen den Terrorakt sogleich für AfD-Propaganda. Auf Beleidsbekundungen verzichten die Politiker allerdings.

Drucken per Mail

Explosion an Brüsseler Flughafen!“, twitterte Marcus Pretzell, AfD-Landeschef von Nordrhein-Westfalen und Europaabgeordneter, am Dienstagmorgen um 8:18 Uhr – noch bevor die ersten Eilmeldungen der Nachrichtendienste über den Terroranschlag in der belgischen Hauptstadt herausgingen. Kurze Zeit später schrieb er: „Chaos am Brüsseler Flughafen. Terroranschlag!“

Ob Pretzell zu dieser Zeit direkt am Flughafen war oder die Nachricht über den Anschlag aus lokalen Medien erfuhr, ist nicht ganz klar. Pretzell war für eine Kontaktaufnahme nicht zu erreichen. Auch der Landesverband äußerte sich nicht. Aber zumindest war Pretzell einer der ersten, der die Meldung über den Anschlag via Twitter verbreitete.

Sicher ist, dass Pretzell und auch Beatrix von Storch, stellvertretende AfD-Vorsitzende, am Dienstag in ihrer Funktion als Europaabgeordnete in Brüssel waren und offenbar ins EU-Parlament fuhren.
Was hier bei Pretzell zu Beginn noch sachlich und informativ herüber kam, änderte im Laufe der Vormittags dann seine Konnotation. Bei Pretzell klang es dann so: „Vor meiner Haustür. Ich bin es so leid.“ Einen Tweet von „Die Zeit“, die twitterte, dass die Trauer jetzt größer sein möge, als die Angst, kommentierte Pretzell mit: „Nein diesmal nicht wie jedes Mal! Es reicht.“ AfD-Chefin Frauke Petry leitete den Tweet ihres Kollegen und Lebenspartners dann auch direkt an ihre eigenen Follower weiter.

Mehr dazu

Am Mittag postete Pretzell dann einen Beitrag auf seiner Facebookseite, den er bei Twitter unter dem Hashtag #Jesuisheuchler anwarb. Es ist eine Verballhornung von #JesuisCharlie – einem Zeichen von Solidarität, das nach dem Anschlag auf die französische Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ im Januar 2015 weltweit geteilt worden war.

Er sei wild entschlossen, dem Treiben ein Ende zu setzen, schrieb der AfD-Mann. Statt gegen rechte Hetzer aufzustehen und zu demonstrieren, solle man etwas dagegen tun, damit es nicht bald hieße „Ich bin Berlin, Rom, Malmö und Rotterdam“, so der Politiker in seinem Beitrag. „Verfluchte Heuchler“, nennt er diese Menschen.

Er sei nur Hunderte Meter von den Anschlagsorten entfernt gewesen und erwarte jetzt „Maßnahmen gegen Terroristen und nicht Lichterketten gegen diejenigen, die vor diesen Zuständen seit Jahren warnen“, schreibt Pretzell. „Der Traum vom bunten Europa ist kaputt, weggebombt zum wiederholten Mal! Akzeptiert es endlich!“

Auf Twitter meldete er sich erneut zu Wort: „Alle solidarisch mit den Toten. Wann seid ihr endlich solidarisch mit den Lebenden?“, fragte er.


Die politischen Analysen und Kommentare der FR -
auch unterwegs auf dem Laufenden mit „FR News“.
Unsere beliebte App für iPhone und Android-Smartphones.

Auch von Storch meldete sich über Facebook zu Wort: „Viele Grüße aus Brüssel. Wir haben soeben das Parlament verlassen. Hubschrauber kreisen. Militär rückt an. Sirenen überall. Offenbar viele Tote am Flughafen und am Zentralbahnhof. Hat aber alles nix mit nix zu tun“, so die Politikerin, die den Terroranschlag mit diesem Beitrag instrumentierte und damit AfD-Propaganda betrieb. Von Beileidsbekundungen ob der vielen Toten und Verletzten in Brüssel keine Spur.

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Nachrichten aus den Inland und Ausland, Analysen und Kommentare.

EU-Parlamentspräsident

Ausgerechnet Tajani

Von  |
Im EU-Parlament umstritten: Antonio Tajani

Ließ sich unter den 751 Europaabgeordneten kein besserer Kandidat finden? Das ist traurig. Ebenso wie die Aussicht, dass das Straßburger Plenum in Selbstreflexion zu versinken droht. Der Leitartikel. Mehr...

Leitartikel

Angriff auf den Wohlstand

BMW-Produktion in Dingolfing (Bayern).

Mit ihrer Abschottungspolitik gefährden Theresa May und Donald Trump die internationale Kooperation und den wirtschaftlichen Erfolg hiesiger Firmen. Mehr...

 

Beilage

Literatur-Rundschau

Der Bücher-Winter 2016

Rezensionen der FR-Feuilletonredaktion auf acht Zeitungsseiten. Aus dem Inhalt: Könnte noch gut werden: kluge, virtuose Erzählungen von Terézia Mora. Könnte noch knapp werden: jetzt hurtig Geschenke gekauft – Tipps der Redaktion. Könnte noch regnen: Klaus Reicherts großartiges Buch über Wolken. Nützliche und niedliche Kinderbücher. Die Literatur-Rundschau Winter 2016 als PDF-Reader.

Außerdem noch erhältlich: Die Literatur-Rundschau Herbst 2016 auf zwölf Zeitungsseiten als PDF-Reader.

Beilage

Literatur-Rundschau

Der Bücher-Winter 2016

Rezensionen der FR-Feuilletonredaktion auf acht Zeitungsseiten. Aus dem Inhalt: Könnte noch gut werden: kluge, virtuose Erzählungen von Terézia Mora. Könnte noch knapp werden: jetzt hurtig Geschenke gekauft – Tipps der Redaktion. Könnte noch regnen: Klaus Reicherts großartiges Buch über Wolken. Nützliche und niedliche Kinderbücher. Die Literatur-Rundschau Winter 2016 als PDF-Reader.

Außerdem noch erhältlich: Die Literatur-Rundschau Herbst 2016 auf zwölf Zeitungsseiten als PDF-Reader.

Dossier


Millionen Menschen verlassen ihre Heimat. Sie fliehen vor Krieg oder Umweltschäden; sie suchen Arbeit, ein besseres Leben. Nicht wenige sterben, etwa vor Lampedusa. Andere schaffen es nach Deutschland - und werden hier nicht immer gut behandelt.

Übersichtsseite - alles auf einen Blick.

Zuwanderung in Frankfurt und Rhein-Main.

Schicksale - die betroffenen Menschen.

Lampedusa - Europa schottet sich ab - die Folgen.

Talkshow-Kritiken auf einen Blick
Meinung