Die Geschichte des kurzen Anti-Drogenkampfes in Afghanistan ist eine von Niederlagen. Vor allem Washington investierte Millionen Dollar seit dem Sturz des Taliban-Regimes 2001, ohne allerdings die Drogenökonomie nennenswert zu stören. Das will die US-Regierung nun ändern. Die New York Times berichtet, Washington bereite eine neue Strategie vor. Demnach sollen Mohnfelder nicht mehr niedergebrannt werden. Diese Methode trieb zu viele Kleinbauern in die Arme der Aufständischen.
Nun soll es ein nachhaltiges Konzept richten. Man müsse, heißt es, den Drogenanbau weiter sanktionieren. Doch müssten vor allem Kleinbauern die Chance bekommen, mit Weizen für das Inland und Blumen oder Granatäpfeln für den Export ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Dieses Konzept würde die neue Afghanistan-Strategie ergänzen, mit der die internationale Gemeinschaft derzeit versucht, das Ruder herumzureißen. Es wird aber auch den Problemen gerecht.
Angefangen hat alles, so will es eine Anekdote, mit Eseln. Mit deren Hilfe transportierten die Mudschaheddin in den 80er Jahren ihre vor allem von der CIA bezahlten Waffen für den Kampf gegen die Sowjetarmee nach Afghanistan. Auf ihrem Rückweg trugen die Tiere zunächst nichts. Geschäftstüchtige bepackten sie wenig später mit Opium und finanzierten von da an den Krieg auch mit dem Drogengeschäft - geduldet von der CIA.
Die Erlöse nutzten in den vergangenen drei Jahrzehnten nahezu alle Kriegsparteien. Die Mudschaheddin gegen die Sowjets, fast alle Parteien im Bürgerkrieg, die Nordallianz gegen die Taliban und heute die Gotteskrieger und andere Aufständische gegen das internationale Bündnis und die Karsai-Regierung.
In dieser Zeit wuchs der Opiumanbau von einem Nebengeschäft zur zentralen Säule der afghanischen Volkswirtschaft. Bauten Landwirte 1979 nur etwa 100 Tonnen jährlich an, waren es 2008 rund 7700 Tonnen. Das entspricht einem Weltmarktanteil von 93 Prozent. Das ganz große Geld machen die Händler und Drogendealer zwar erst jenseits der afghanischen Grenze. Doch allein die Taliban sollen durch Steuern und Schutzgeld jährlich 300 Millionen Dollar einnehmen. Aber auch Kleinbauern, Erntehelfer und Großgrundbesitzer sowie Warlords, korrupte Staatsdiener und Politiker profitieren.
Derzeit macht das Drogengeschäft je nach Schätzung ein Viertel oder gar die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus. Zum Vergleich: In Kolumbien umfasst das Geschäft mit Kokain zwei Prozent des BIP.
All das zeigt: Der Kampf gegen Drogen und Korruption in Afghanistan wird eher noch Jahrzehnte denn Jahre andauern.
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
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