Politik
Nachrichten und Kommentare zur Politik in Deutschland und der Welt

09. Oktober 2012

Afghanistan: Die gescheiterte Befreiung

 Von Markus Decker
Die Schutztruppe Isaf hat die gemeinsamen Übungen mit afghanischen Soldaten reduziert. Foto: AFP

Seit 2001 versucht der Westen in Afghanistan politische Veränderungen durchzusetzen. Es wird Zeit, dass die Bundesregierung sich nun endlich zur Wahrheit bekennt: die Mission ist kläglich gescheitert.

Drucken per Mail

Seit über zehn Jahren ist die westliche Allianz nun in Afghanistan präsent. Nach dem Sturz der Taliban wollte sie dort Demokratie und Menschenrechte durchsetzen. Später war nur noch von Stabilität die Rede sowie schließlich davon, dass die Afghanen für ihre eigene Sicherheit sorgen müssten.

Aber auch dieses Ziel hat sich längst in Luft aufgelöst. Die Schutztruppe Isaf hat die gemeinsamen Übungen mit afghanischen Soldaten reduziert, weil das für die eigene Truppe viel zu gefährlich geworden ist. Immer öfter ist sie friendly fire ausgesetzt. Und nun hat die Heinrich-Böll-Stiftung erklärt, das Land bereits vor dem Abzug der westlichen Kampftruppen 2014 verlassen zu wollen. Das ist ein weiteres Alarmsignal.

Umso auffälliger ist, dass die politisch Verantwortlichen von einem Scheitern der Mission bis heute nichts wissen wollen. Als der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, das Wort vor einigen Monaten in den Mund nahm, da wurde er vielmehr heftig attackiert – nicht zuletzt vom Bundesministerium der Verteidigung.

Dabei könnte das Scheitern auffälliger nicht sein. Denn der Westen hat seit 2001 alles aufgeboten, was er hatte, um einem der ärmsten Länder der Welt seinen Stempel aufzudrücken: Geld und Manpower. Allerdings hat er das Ziel kläglich verfehlt. Übrig geblieben ist die hohle Formel von der „Übergabe in Verantwortung“. Sonst nichts.

In der Konsequenz kann das nur heißen, auf vergleichbare Militäreinsätze künftig zu verzichten - oder die Ziele doch zumindest deutlich herunter zu schrauben. Zuvor wäre es allerdings hilfreich, sich zur Wahrheit zu bekennen.

Zur Homepage

Jetzt kommentieren

Ressort

Nachrichten aus den Inland und Ausland, Analysen und Kommentare.

Dossier


Millionen Menschen verlassen ihre Heimat. Sie fliehen vor Krieg oder Umweltschäden; sie suchen Arbeit, ein besseres Leben. Nicht wenige sterben, etwa vor Lampedusa. Andere schaffen es nach Deutschland - und werden hier nicht immer gut behandelt.

Übersichtsseite - alles auf einen Blick.

Zuwanderung in Frankfurt und Rhein-Main.

Schicksale - die betroffenen Menschen.

Lampedusa - Europa schottet sich ab - die Folgen.

Umfrage

Die FR möchte auch nach wissenschaftlichen Maßstäben das Gerechtigkeitsempfinden erforschen. Dabei setzen wir auf Sie, liebe Leserinnen und Leser - und Ihre Beteiligung an einer wissenschaftliche Studie der Universität Köln.

FR-Schwerpunkt

Was ist gerecht?

Was ist gerecht?

WIRKLICH? Wie ungleich darf eine Gesellschaft sein – und was ist eigentlich Gerechtigkeit? Der große Schwerpunkt der Frankfurter Rundschau.

FR-Online: Ergänzende Informationen und ausgewählte Texte zum Thema im Online-Dossier.

iPad-App: Alle großen Stücke des Schwerpunkts - interaktiv in preisgekrönter Aufbereitung. Informationen und Bestellformular.

Zeitung: Sämtliche Analyen und Interviews im Vorteils-Abonnement - keine Folge verpassen und dabei noch anderen helfen. Das ist gerecht. Bestellformular.

Wie würden Sie Deutschland gerechter machen? Gibt es eine Ungerechtigkeit, der die Frankfurter Rundschau unbedingt nachgehen sollte? Reden Sie mit - auf unserer interaktiven Webseite.

STUDIE! Die FR möchte auch nach wissenschaftlichen Maßstäben das Gerechtigkeitsempfinden erforschen. Nehmen Sie teil an unserer Umfrage!

Videonachrichten Politik
Meinung