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Afghanistan-Einsatz: Eine Haubitze macht noch keinen Frieden

Über manche Politiker-Ideen zur Aufrüstung der Bundeswehr in Afghanistan herrscht im Verteidigungsministerium Kopfschütteln. Minister Guttenberg stellt klar: Dem neuen Rüstungswettlauf mag er sich nicht anschließen. Von Steffen Hebestreit

Berlin. Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) will sich dem neuen Rüstungswettlauf zunächst nicht anschließen. Der Verteidigungsminister ließ am Mittwoch durch seinen Sprecher Steffen Moritz ausrichten, die ganze Debatte über Panzerhaubitzen, Leopard-II-Panzer und Tiger-Kampfhubschrauber gehe "etwas durcheinander".

Intern schütteln sie im Verteidigungsministerium heftig den Kopf über die Vorschläge, die Verteidigungspolitiker in Reaktion auf den tödlichen Zwischenfall von Karfreitag nun gemacht haben. Allein der Einsatz des Leopard II, den der designierte Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus (FDP) vorgeschlagen hatte, scheint nicht nur aussichtslos, sondern auch unsinnig. Mit seinen 60 Tonnen Gewicht sei er ungeeignet, die oftmals schlecht befestigten Straßen und maroden Brücken Afghanistans zu nutzen, hieß es.

Gefahr für Zivilisten

Nein, es gebe auch keine konkreten Pläne, die Panzerhaubitze 2000 an den Hindukusch zu verlegen, sagte Moritz in Berlin. Der Einsatz des Geschützes, das Geschosse 30 Kilometer weit verschießen kann, wird seit Jahren in Militärkreisen kontrovers diskutiert. Zuletzt hatte der deutsche Isaf-General Jörg Vollmer 2009 "durchschlagskräftigere Artillerie" für die Truppe gefordert. Fakt ist, dass die Bundeswehr die Haubitze bei dem Vorfall vom vergangenen Freitag nicht hätte einsetzen können, weil die Gefahr für unbeteiligte Zivilisten und für die betroffenen deutschen Soldaten im Gefecht viel zu groß gewesen wäre. Ähnliches gilt nach den Worten des Guttenberg-Sprechers auch für den Einsatz von Kampfhubschraubern.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) zeigte sich indes aufgeschlossen, etwaige Ausrüstungsmängel rasch zu beseitigen. "Die Bundesregierung bemüht sich nach besten Kräften, dass unsere Frauen und Männer in Afghanistan bestmöglich ausgestattet sind", sagte der Minister in Berlin.

Konsequenzen für die neue Afghanistan-Strategie der Regierung, die Westerwelle und Guttenberg erst im Januar verkündet hatten, soll der Vorfall von Karfreitag vorerst nicht haben. Zwar habe Guttenberg seine Entscheidung, "umgangssprachlich von Krieg" in Afghanistan zu sprechen, am Sonntag zuvor mit dem Kanzleramt abgesprochen. Konkrete Folgen für den täglichen Einsatz der Truppe hätte diese "rhetorische Klarstellung", wie sie ein Sprecher am Mittwoch nennt, aber nicht.

An Karfreitag waren drei Bundeswehrsoldaten getötet worden, als ein Sprengsatz direkt neben ihrem gepanzerten Fahrzeug explodierte. Offenbar hatte einer der Soldaten die Explosion bei der Suche nach dem Sprengsatz ausgelöst. Fünf weitere Soldaten waren schwer verletzt worden, als 40 Taliban-Kämpfer ihre Patrouille angegriffen hatten.

Autor:  Steffen Hebestreit
Datum:  8 | 4 | 2010
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