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01. September 2009

Afghanistan: Geheime US-Truppe hilft Bundeswehr

Isaf-Einsatz in Afghanistan.  Foto: ddp

Beim Kampf gegen Taliban am Hindukusch hat die deutsche Bundeswehr offenbar Unterstützung von einer streng geheimen Truppe der US-Armee erhalten. Das bestätigten jetzt Geheimdienstkreise.

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Spezial: Afghanistan

Die Bundeswehr in Afghanistan. Erstmals befinden sich deutsche Soldaten in einem Kampfeinsatz außerhalb Europas.

Verteidigen wir tatsächlich unsere Sicherheit am Hindukusch? Grundlagen, Meinungen, Bilder, Hintergründe im Spezial: Einsatz in Afghanistan

Kundus/Kabul. Die streng geheime Truppe der US-Armee, die "Delta Force", entlastet die Bundeswehr am Hindukusch im Kampf gegen die Taliban. Das wurde am Dienstag der Nachrichtenagentur ddp in dem seit Monaten von radikal-islamischen Kämpfern heftig bedrängten nordafghanischen Bundeswehr-Stützpunkt Kundus von Offizieren bestätigt.

Der Bundesnachrichtendienst (BND) befürchtet, dass die Taliban in den letzten Wochen des Bundestagswahlkampfes die Angriffe auf die deutschen Soldaten verstärken. "Die Taliban wollen damit in Deutschland Stimmung für einen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan machen", sagte ein Geheimdienstler ddp.

Offenbar werden die Aufständischen im Gebiet von Kundus durch eingesickerte Kämpfer der Islamischen Bewegung Usbekistans (IBU) unterstützt.

Die "Delta Force" hat nach Angaben von Geheimdienstlern in der letzten Zeit immer häufiger im Raum Kundus Jagd auf Anführer der Taliban gemacht. Dabei unterstehen die Männer nicht dem Kommando der ISAF. Sie erhalten ihre Befehle nach ddp-Informationen direkt aus dem Pentagon, dem Verteidigungsministerium in Washington.

Auch operiert die Spezialtruppe Hand in Hand mit Elite-Agenten der CIA. "Wo es brennt, fallen die Spezialkämpfer ein, räumen auf und sind schon wieder weg", erläuterte ein US-Offizier in Kabul. Dem BND liegen Hinweise vor, dass die Taliban im Raum Kundus nicht nur von Usbeken, sondern auch von einer erheblichen Zahl anderer ausländischer Kämpfer Hilfe im Kampf gegen die Bundeswehrsoldaten erhalten.

Die Lage in Kundus ist CIA-Leuten zufolge noch zusätzlich brisant, weil die US- und Nato-Truppen zunehmend ihre Versorgungsroute aus Tadschikistan durch das Einsatzgebiet der Bundeswehr in Nordafghanistan verlegt haben.

Auf dieser nördlichen Route ist es nach Angaben der Bundeswehr schon wiederholt zu Angriffen der Taliban auf die Nachschubkonvois gekommen. Der ursprüngliche Versorgungsweg über den Khyber-Pass im Nordosten Pakistans wird durch die Taliban immer intensiver unterbrochen.

Erst vor einigen Tagen gingen am Pass rund 25 Öltank- und Lastwagen der NATO nach Taliban-Angriffen in Flammen auf. Die Lage in Afghanistan wird von Militärs und Geheimdienstlern in Kabul gleichermaßen mit dem Begriff "Fünf vor Zwölf" umrissen. Die Nato befinde sich in einem "Dilemma" und es zeige sich kein Ausweg.

"Das macht die Lage so gefährlich", betonte ein CIA-Mann. In dem von den Taliban teilweise kontrollierten Süden des Landes hätten die Islamisten bereits eigene Scharia-Gerichte und Krankenhäuser eingerichtet.

Wie ernst die Situation in Afghanistan geworden ist, schildert der neue ISAF-Kommandeur, US-General Stanley McChrystal, in seinem bei der Nato-Spitze in Brüssel vorgelegten "Zustandsbericht". Der General fordert umgehend eine neue Strategie für Afghanistan: Weg von dem intensiven ausgesprochenen Kampfgeschehen, hin zu einer "Zuwendung" zur Bevölkerung und zu ihrem Schutz.

In seiner "Richtlinie zur Aufstandsbekämpfung" will McChrystal die internationale Schutztruppe auf einen neuen Kurs bringen. In dem Papier für die Soldaten heißt es: "Verdient Euch die Unterstützung der Menschen, und der Kampf ist gewonnen, unabhängig davon, wie viele Militante getötet oder gefangen werden".

Auch der Kommandeur des "Allied Joint Force Command" der NATO und damit verantwortlich für alle NATO-Einsätze in Afghanistan, General Egon Ramms, unterstrich die Notwendigkeit eines Strategiewechsels der ISAF: "Die Bedrohung liegt da, dass es den Taliban möglicherweise gelingt, uns die Bevölkerung zu entwinden", sagte Ramms gerade auf einer Reise durch Afghanistan. Und in der ARD sagte er: "Wenn wir die Unterstützung der Bevölkerung nicht gewinnen können, müssen wir ernsthaft darüber nachdenken, ob wir das Land nicht verlassen müssen." (ddp)

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