Rund 4000 US-Marines haben in der Nacht zum Donnerstag in Afghanistan die größte Militäroperation seit dem Abzug der sowjetischen Truppen im Jahr 1989 begonnen. Ziel ist es, die radikalislamischen Taliban aus der Drogenprovinz Helmand im Süden des Landes zu vertreiben. Die Marines wurden in Wellen von Hubschraubern in das so genannte "Tal des Todes" geflogen, in denen die Regierungsgegner seit Jahren mehrere Distrikte beherrschen. "Wir wollen groß einsteigen, stark und schnell", beschrieb Brigadegeneral Larry Nicholson, der Kommandeur der Großoffensive namens "Schwertstreich", seine Strategie.
Pakistan, das laut Militärs in Islamabad seit Monaten rund 200.000 Soldaten entlang der Grenzen zu Afghanistan stationiert hat, zog zusätzliche Truppen südlich der afghanischen Provinz Helmand zusammen.
Die Bundeswehr in Afghanistan. Erstmals befinden sich deutsche Soldaten in einem Kampfeinsatz außerhalb Europas.
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Die neue Strategie stellt das Gegenteil des Vorgehens der vergangenen acht Jahre dar. Das Prinzip "wenig Truppenpräsenz" hatte zu der gegenwärtigen desaströsen Lage geführt. Die radikalislamischen Talibanmilizen sind inzwischen in 25 der 34 Provinzen Afghanistans präsent. Sie haben parallele politische Strukturen mit eigenen Gouverneuren, Distriktverwaltungen und einer militärischen Kommission gegründet. Überdies besitzen sie im Gegensatz zu den ausländischen Truppen im Süden ein weit verzweigtes Netzwerk von Spionen und Agenten. Sie können es fast ebenso schnell aktivieren wie die internationale Sicherheitstruppe Isaf ihren hochtechnisierten Apparat.
"Wir wissen ungefähr, was die neuen US-Truppen vorhaben", erklärte vergangene Woche in der südafghanischen Stadt Kandahar ein Talibankommandeur aus der Provinz Helmand, der sich auf der Durchreise in die Stadt Quetta im Nachbarland Pakistan befand, "und wir sind vorbereitet."
Wie gut die Taliban vorbereitet waren, erfuhren die Marines gleich zu Beginn der Offensive. Es gab kaum Schusswechsel. Die US-Armee meldete keine erheblichen Verletzungen. Dagegen sprachen die Taliban von einem getöteten Kämpfer und elf getöteten ausländischen Soldaten.
Taliban entführen US-Soldat
Bestätigt hat die US-Armee mittlerweile die Entführung eines US-Soldaten. Die Geisel werde nur im Austausch gegen von den USA gefangen gehaltene Taliban-Kämpfer freikommen, stellte ein Taliban-Sprecher klar. Der Soldat war seit Dienstag vermisst worden.
Der Ablauf der Großoffensive könnte ein Hinweis auf die neue Taktik der Taliban für die nächsten eineinhalb Jahre sein. US-Verteidigungsminister Robert Gates beschreibt die Spanne als "entscheidend". Die Milizen meiden direkte Konfrontation mit übermächtigen Gegnern und suchen sich die Ziele ihrer Attacken selbst aus.
Für den Erfolg der neuen US-Großoffensive ist aber nicht entscheidend, wie schnell ein Gebiet erobert wird, sondern wie lange die Truppen anschließend bleiben und so eine Rückkehr der Taliban verhindern.
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
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