New York/Hamburg. Die Liste der Vorwürfe gegen den Bruder des Präsidenten wird immer länger. Ahmed Wali Karsai, 48, soll in den Drogenhandel verwickelt sein, bei den jüngsten Präsidentschaftswahlen in Afghanistan zugunsten seines Bruders Hamid Hunderttausende Stimmen gefälscht haben und, so lautet die jüngste Anschuldigung, seit gut acht Jahren auf der Lohnliste der CIA stehen.
Für Präsident Karsai ist dieser Bericht der New York Times, die sich auf Quellen im US-Geheimdienst beruft, sehr misslich. Am 7. November geht er in die Präsidentschaftsstichwahl, in der seine Chancen nicht steigen, wenn sich sein Bruder als die US-Marionette entpuppen sollte, die er für viele im Land längst ist.
Ahmed Wali Karsai, einer von sechs Brüdern des afghanischen Präsidenten, ist seit 2005 Regierungschef der im Süden des Landes gelegenen Provinz Kandahar. Die Familie Karsai stammt aus Kandahar und flüchtete aus der Stadt vor der sowjetischen Invasion 1979.
Die New York Times schreibt, dass Ahmed Wali Karsai für einige Dienste von der CIA entlohnt wird. Er habe eine paramilitärische Gruppe in Kandahar mit aufgebaut, die ihre Befehle von der CIA bekommt. Er habe ein großes Gelände, das vormals dem Taliban-Gründer Mullah Omar gehörte, an die CIA und ihre afghanischen Paramilitärs vermietet und Kontakte zwischen Amerikanern und Taliban vermittelt.
Karsai, der im April dieses Jahres nur knapp einem Bombenattentat der Taliban entkam, bestreitet die Vorwürfe. Er helfe Amerikanern, aber er kenne niemand von der CIA. Ja, er bekomme von seinem Bruder in Kabul "Auslagen" ersetzt, er wisse aber nicht, was für Mittel das seien. Auch mit dem Drogenhandel will Karsai nichts zu haben.
Immerhin wohnt der Regierungschef von Kandahar seit 2001 in einem festungsartig ausgebauten Haus, das einem der wichtigsten Drogenschmuggler der Region gehört. Opiumproduktion und -handel sind seit dem Fall der Taliban 2001 in Afghanistan stark gewachsen. Nach Expertenschätzungen stammt ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts aus dem Rauschgiftgeschäft. Und Kandahar ist eines seiner Zentren.
"Wenn man Chicago aufräumen will, muss man Capone loswerden", sagt ein US-General in Afghanistan über die Rolle Ahmed Wali Karsais in Kandahar. Eine "politische Peinlichkeit" nannte ihn Ronald Neumann, früherer US-Botschafter in Kabul.
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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