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Afghanistan: Konferenz legt Grundstein für Truppen-Abzug

Als Strategiewechsel wird angepriesen, was Vertreter von 70 Staaten in London ausgehandelt haben. Mit mehr afghanischen Sicherheitskräften und einem Aussteigerprogramm für die Taliban soll der langfristige Abzug der internationalen Truppen vom Hindukusch eingeläutet werden.

Afghanistans Präsident Karsai trifft den britischen Premier Brown vor Beginn der Afghanistan-Konferenz in London.
Afghanistans Präsident Karsai trifft den britischen Premier Brown vor Beginn der Afghanistan-Konferenz in London.
Foto: Foto: dpa

London. Mit einem Strategiewechsel in Afghanistan will die internationale Gemeinschaft Fehler der vergangenen Jahre beseitigen und den Weg für einen Rückzug der ausländischen Truppen ab 2011 ebnen. Wie? Mit mehr afghanischen Sicherheitskräften und einem Aussteigerprogramm für die Taliban.

"Wir stehen am Beginn einer neuen Phase". Bereits in diesem Jahr werde die Kontrolle "Bezirk nach Bezirk" an die afghanischen Soldaten und Polizisten übergeben, sagte der britische Premierminister Gordon Brown bei der Afghanistan-Konferenz am Donnerstag in London. Er kündigte einen Fonds zur Eingliederung gemäßigter Taliban-Kämpfer an.

Afghanistan-Konferenz

Vertreter von rund 70 Staaten und zehn internationalen Organisationen beraten in London, wie es in Afghanistan weiter geht. Der Iran hatte kurzfristig seine Teilnahme abgesagt.

Brown würdigte auch Deutschlands Pläne, die Truppen aufzustocken und mehr Geld in die Entwicklungshilfe zu stecken. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sah Rückendeckung der Verbündeten für die Afghanistan-Strategie der deutschen Regierung und warb für das Taliban-Aussteigerprogramm. "Wir wollen, dass junge Männer, die oft genug für 200 Dollar zu Kämpfern geworden sind, zurückkehren in ihre Dörfer." Die Bundesregierung will das "Reintegrationsprogramm" mit 50 Millionen Euro pro Jahr unterstützen.

Der Einsatz der internationalen Truppen sei "entscheidend für die Sicherheit in der Welt", sagte Gastgeber Brown. Auf der eintägigen Konferenz in London könne der Grundstein gelegt werden, dass die ausländischen Truppen "nach Hause" kommen. "Es wird Zeit brauchen, aber schneller gehen, als manche erwarten."

Es geht um Afghanistans Zukunft

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Der afghanische Präsident Hamid Karsai stellte als Gegenleistung für mehr zivile Hilfen in Aussicht, dass die Regierung in Kabul "in den kommenden fünf Jahren" die Sicherheitsverantwortung in allen Teilen des Landes garantieren wolle.

Brown zeigte sich überzeugt, dass sich die Konferenz auf eine Aufstockung der afghanischen Polizei- und Armeekräfte verständigen werde. Bis Oktober 2011 werde die Zahl der Sicherheitskräfte aus dem eigenen Land bei über 300.000 liegen - 171.000 Soldaten und 134.000 Polizisten. Dafür seien aber mehr internationale Ausbilder nötig.

Gleichzeitig wandte sich Brown mit einer Kampfansage an das Terrornetzwerk El Kaida: "Wir werden Euch besiegen, nicht nur auf den Schlachtfeldern, sondern auch in den Herzen und Köpfen."

Der afghanische Präsident Karsai hatte vor der Konferenz betont, dass sein Land noch bis zu 15 Jahre lang Hilfe bei Ausbildung und Finanzierung aus dem Ausland brauche.

Karsai kündigte zugleich ein Reformprogramm für die Wirtschaft an. Im Mittelpunkt soll dabei der Kampf gegen die Korruption stehen, um das Investitionsklima zu verbessern und die Grundlage für mehr Arbeitsplätze zu legen.

"Afghanistan hat sich langsam bewegt", räumte Karsai mit Blick auf verhaltene Fortschritte der vergangenen acht Jahre seit dem Sturz der Taliban ein. Doch habe sein Land "die Lektion" gelernt und setze sich für die kommenden fünf Jahre nachprüfbare und konkrete Aufgaben.

Einer der Schwerpunkte wird Karsai zufolge ein nationaler Aussöhnungsprozess sein, mit dem bewaffneten Gegnern der Regierung in Kabul eine friedliche Alternative geboten werden soll. Voraussetzung sei, dass diese nicht zum Terrornetzwerk Al-Qaida gehören, auf Gewalt verzichten und die Verfassung anerkennen. Deutschland will für diesen Fonds in den kommenden Jahren 50 Millionen Euro bereitstellen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon unterstrich, die Erwartungen an Afghanistan seien sehr hoch. Doch müsse die Regierung in Kabul selbst die Führung und die Verantwortung für den Entwicklungsprozess übernehmen. Karsai sicherte dies zu und wertete die Londoner Konferenz als Meilenstein auf dem Weg zu einem neuen Afghanistan.

"Der Friede und die Sicherheit in der Welt sind eng verbunden mit Frieden und Stabilität in Afghanistan." (dpa/ddp/kho)

Datum:  28 | 1 | 2010
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