Schreckliche Statistik: An diesem Wochenende erreichte die Zahl der US-Soldaten, die in den vergangenen elf Jahren in Afghanistan ihr Leben gelassen haben, die Marke der 2000. Bei einem heftigen Feuergefecht zwischen US-Soldaten und einer Einheit der afghanischen Nationalarmee starben zwei Amerikaner und drei Afghanen.
Ein Missverständnis, sagten Vertreter der afghanischen Behörden. Die US-Soldaten hätten versehentlich die afghanische Einheit angegriffen. Die Nato-Schutztruppe ISAF erklärte dagegen, die US-Soldaten seien zuerst angegriffen worden. Womöglich habe es sich um einen Anschlag gehandelt. Die Wahrheit dürfte, wie in Afghanistan so oft, schwer zu ermitteln sein.
Doch Wut und Verzweiflung der Amerikaner über die steigende Zahl von Anschlägen aus den Reihen der angeblich befreundeten afghanischen Nationalarmee steigen. "Ich bin stinksauer, um ehrlich zu sein", sagte der Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte in Afghanistan, General John Allen, in einem Fernsehinterview. "Das hallt überall in den USA nach. Wissen Sie, wir sind zu einer Menge Opfer für diese Mission bereit. Aber wir sind nicht bereit, uns dafür ermorden zu lassen."
Das wachsende Misstrauen zwischen den NATO-Truppen und den afghanischen Soldaten droht auch die Abzugsstrategie der westlichen Staaten zu gefährden. Vor allem die USA haben enorme Ressourcen für die Ausbildung der afghanischen Nationalarmee aufgewandt, um diese in die Lage zu versetzen, nach dem Abzug der Nato 2014 die Verantwortung für die Sicherheit im Land zu übernehmen.
Herzstück der Ausbildung sind die gemeinsamen Patrouillen, bei denen westliche Soldaten ihre Erfahrungen an die afghanischen Kameraden weitergeben sollen. Doch immer häufiger schmuggeln sich Anhänger der Taliban in die afghanischen Einheiten, um Anschläge auf die Nato-Truppen zu verüben. Seit Beginn des Jahres sind bereits über 50 US-Soldaten bei solchen Attentaten getötet worden.
"Der Feind erkennt dies als einen Schwachpunkt", sagte General Allen. Wegen der häufigen Anschläge hatten die USA die gemeinsamen Patrouillen sogar eine Zeitlang ausgesetzt; sie waren erst zwei Tage vor dem jüngsten Feuergefecht vom Wochenende wieder aufgenommen worden.
Auch am heutigen Montag kam es wieder zu einem solchen Anschlag; diesmal trug der Attentäter allerdings keine Armee-, sondern eine Polizeiuniform. Der Gouverneur der Provinz Khost im Osten des Landes, Abdul Dschabar Naim, sagte dem US-Fernsehen CBS, der Mann sei auf einem Motorrad mitten in eine gemeinsame Streife von afghanischen und Nato-Soldaten gefahren, bevor er sich in die Luft gesprengt habe. Drei westliche Soldaten und zehn Afghanen wurden getötet. Details wollte die Führung der westlichen Schutztruppe ISAF zunächst nicht nennen.
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