Eric Breininger steht in einer steinigen Berglandschaft. Er trägt ein weißes Gewand, eine beige Weste, in der Rechten ein Maschinengewehr. Breininger blickt in die Kamera, sagt leise: "Wir befinden uns hier in Afghanistan, um uns auf die Befreiung vorzubereiten." Dann nimmt der gebürtige Saarländer, vor vier Wochen als mutmaßlicher Terrorist medienwirksam zur bundesweiten Fahndung ausgeschrieben, die Waffe in beide Hände, dreht sich, legt an und feuert in die öde Gegend.
Der "Islam-Bomber", wie Bild den 21-Jährigen taufte, ist nach eigenen Angaben nicht auf dem Weg nach Deutschland, so, wie es Geheimdienste glaubten. Er plane auch "persönlich keinen Anschlag gegen die Bundesrepublik", wie er in einem am Dienstag von der Islamischen Dschihad-Union veröffentlichen Video sagt. Den sechsminütigen Film, den Drehort, wie die eingeblendete Datierung vom 10. Oktober hält der Terrorismus-Experte Guido Steinberg "für absolut authentisch", wie er der FR sagt. Das BKA sieht das auch so.
Bereits am vergangenen Wochenende hatte das Bundeskriminalamt seine Annahme fallen lassen, Breininger sei auf dem Weg nach oder sogar schon zurück in Deutschland. Die SoKo "Reise" wurde aufgelöst.
Steinberg glaubt, "dass da auf nachrichtendienstliche Erkenntnisse von dubioser Qualität panisch reagiert wurde". Die Notwendigkeit einer Fahndung könne er nachvollziehen, die zugrunde liegenden Informationen aber seien "offensichtlich frei erfunden" gewesen. Breininger sei so eine Plattform gegeben worden, "von der er jetzt profitiert".
Vor der Kamera sagt der weltweit Gesuchte, sein Name werde benutzt, "um in Deutschland für Unruhe zu sorgen". Und er widerspricht Meldungen, er habe Kontakt zu den am Kölner Flughafen festgenommenen Männern gehabt. In seiner Erklärung heißt es aber auch: "Wir erklären jedem Land den Krieg, das auf der Seite Amerikas gegen Muslime kämpft." Mit einer Verlängerung des Afghanistan-Mandats und der Aufstockung des Bundeswehrkontingents würde sich auch "das Risiko von Anschlägen auf deutschem Boden" vergrößern. "Dieses Video soll die Debatte in Deutschland beeinflussen", sagt Steinberg. Und: "Eigentlich fehlt zu dieser Botschaft nur ein Anschlag."
Für Steinberg ist der Internetauftritt Breiningers jedoch mehr als reine Drohgebärde "Das ist ein Rekrutierungsvideo. Sie kennen die Schwachstellen der deutschen Debatte", die Argumentation sei teilweise überzeugend - Breiningers Vorwurf etwa, Deutschland ignoriere die Menschenrechtsverletzungen in Usbekistan.
Wer immer den Text geschrieben habe - und Steinberg glaubt nicht, dass es der junge Deutsche war - "besitzt planerisches Talent. Das ist besorgniserregend". Das Video ist nicht voll von platten Parolen, es verbreitet seine Botschaft zwischen den Zeilen, um, so Steinberg, "neue Anhänger zu gewinnen". Es ist professionell und "geschickt gemacht". Es spielt mit Bildern und dem in Afghanistan bekannten Sprichwort: "Viele Tropfen vereinen sich zu einem Strom." Diese Symbolik wirke auf die potenzielle Zielgruppe besonders, meint der Experte.
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