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27. August 2012

Afghanistan: Musik und Tanz mit Mord bestraft

 Von Willi Germund
Bewaffnete Männer im Door-Baba-Distrikt, die sich gegen die Taliban zur Wehr setzen. Foto: dpa

Die Taliban haben 17 Menschen enthauptet, weil sie zu einer Musikveranstaltung gegangen sind. Dort wurde Musik gespielt und es wurde getanzt.

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Im Süden Afghanistans fand Sonntagnacht eine Familienfeier ein schauriges Ende. Wie am Montag bekannt wurde, ermordeten Talibankämpfer 15 Männer und zwei Frauen. Afghanische Sicherheitsbeamte teilten mit, sie seien zuerst verprügelt und dann umgebracht worden. Enthauptet, wie es zunächst geheißen hatte, wurde offenbar keines der Opfer.

Bei den Frauen handelt es sich um zwei Tänzerinnen der Kutschi-Nomaden. Die Kutschis bilden die größte nomadische Gruppe des Landes. Sie ziehen mit Lasttieren herum und halten sich nicht an die strengen Sitten der Taliban. Musik und Tanz aber ist den Taliban verhasst, während ihrer Herrschaft über ganz Afghanistan hatten sie beides verboten.

Gegenwehr der Bürger

Die ermordeten Männer hatten offenbar geglaubt, den beiden Frauen beim Tanzen zuschauen zu können, obwohl sie in einer Gegend leben, die von Taliban kontrolliert wird: Der Mord geschah im Norden der Provinz Helmand, sie zählt seit Jahren zu den Schlachtfeldern Afghanistans.
Viele Taliban, die in der Region kämpfen, gingen vor ihrem Einsatz durch die Koranschulen im pakistanischen Grenzgebiet. Eine Gruppe, der der Mord angelastet wird, ist besonders berüchtigt. Die sogenannten Medressen bringen viele fanatische Selbstmordattentäter hervor – und besonders radikale Kämpfer, die oft sogar die Anordnungen von Talibanchef Mullah Omar als zu liberal missachten. Der Mullah hatte erst vor einigen Wochen verlangt, dass die Taliban Zivilisten schonen sollten. Der Vorwurf, die 17 Mordopfer hätten Partys gefeiert, genügte der lokalen Talibangruppe aber offenbar für ihre Strafaktion.

In zwei anderen Provinzen Afghanistans mehren sich allerdings die Zeichen, dass die lokale Bevölkerung sich gegen die Milizen wehrt. In Laghman und Ghazni im Osten des Landes haben Dorfbewohner Talibangruppen vertrieben. Das Motiv für die dortige Anti-Taliban-Stimmung war, dass die Milizen den Schulunterricht sogar für Jungen verbieten wollten.

Ob sich aus der lokal begrenzten Gegenwehr eine nationale Bewegung bilden wird, ist allerdings noch unsicher. Aber an der Grenze zwischen Afghanistan und Pakistan gibt es Entwicklungen, die Grund zur Hoffnung geben.

USA und Pakistan nähern sich an

In der Provinz Kunar im Grenzgebiet zu Pakistan töteten die USA mit einer Drohne den dortigen Talibanführer Mullah Dadullah. Der Mullah war den Offiziellen im Nachbarland Pakistan schon lange ein Ärgernis, weil seine Leute immer wieder Islamabads Soldaten an der Grenze attackierten. Ein Vertreter der pakistanischen Sicherheitskräfte jubelte: „Endlich tut Washington auch mal was gegen die Leute, die uns angreifen.“ Beobachter werten diese Entwicklung als Annäherung zwischen den USA und Pakistan.

Ein Taliban-Kämpfer mit Granatenwerfer in Waziristan, Pakistan.
Ein Taliban-Kämpfer mit Granatenwerfer in Waziristan, Pakistan.
Foto: dapd

Das Verhältnis zwischen den Verbündeten war während der vergangenen Monate auf eisige Temperaturen gesunken. Islamabad und Washington konnten sich nicht auf eine gemeinsame Strategie im Kampf gegen die Taliban einigen. Ein Streitpunkt war das sogenannte Haqqani-Netzwerk, das von Pakistan aus operiert und für einige der blutigsten Anschläge in Afghanistan verantwortlich gemacht wird. Laut US-amerikanischen Behörden genießt die Gruppe Unterstützung von pakistanischen Sicherheitskräften. Nun bestätigte Pakistan, dass eine US-Drohne den Führer des Netzwerkes, Badruddin Haqqani, getötet haben soll. Die Zeitung Express Tribune berichtet, dass die USA jetzt bereit seien, über die Haqqani-Fraktion zu verhandeln.

Angriffe auf Nato-Soldaten

Beobachter gehen jedoch davon aus, dass bis zur Amtseinsetzung des neuen US-Präsidenten im Januar kaum ein greifbares Ergebnis in die stockenden Gespräche zwischen den Taliban, den USA sowie der Regierung in Kabul und der in Islamabad zu erwarten ist. In der Zwischenzeit stellen die Taliban die zahlreichen Attacken auf ausländisches Militärpersonal durch afghanische Polizisten und Soldaten als ihren eigenen Erfolg dar. Insgesamt kamen in diesem Jahr 42 Nato-Soldaten durch Angriffe ums Leben, die nicht auf das Konto der Taliban gehen.

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