Nach den tödlichen Schüssen auf zwei Nato-Angehörige im Kabuler Innenministerium zieht die Militärallianz sämtliche Mitarbeiter aus afghanischen Ministerien ab. Er habe alle Mitarbeiter der Afghanistan-Truppe ISAF zu ihrem eigenen Schutz aus den Ministerien „in und rund um Kabul“ zurückgerufen, erklärte ISAF-Kommandeur John Allen. Zu der Schießerei im Kabuler Ministerium bekannten sich die radikalislamischen Taliban. Bei den Getöteten handelte es sich nach Angaben aus afghanischen Regierungskreisen um zwei US-Berater. Die Schießerei ereignete sich demnach in der Kommando- und Kontrollzentrale des Innenministeriums. Der Ministeriumssprecher Sedik Sedikki sagte, zwei „internationale Kollegen“ seien in ihren Büros getötet worden. Demnach wurden Ermittlungen eingeleitet. Die US-Armee hat Berater in allen afghanischen Ministerien.
Allen bekräftigte, die Nato werde trotz der Entscheidung ihre Partnerschaft mit der afghanischen Regierung aufrecht erhalten. Auch die britische Regierung gab wenig später bekannt, sie ziehe vorübergehend alle zivilen Berater aus afghanischen Regierungseinrichtungen zurück.
Einem örtlichen Radiosender zufolge wurden der oder die Angreifer getötet. Wenig später bekannten sich die radikalislamischen Taliban zur Tötung mehrerer US-Berater in Kabul. Der „Held“ Abdul Rahman habe am Samstag „vier US-Berater im afghanischen Innenministerium“ getötet, erklärte die Gruppe im Internet. Es handele sich um eine Reaktion auf die Verbrennung von Koran-Exemplaren durch US-Soldaten.
Obamas Entschuldigung dämmt Gewalt nicht ein
In Afghanistan gibt es seit Dienstag gewaltsame Proteste, nachdem bekannt geworden war, dass US-Soldaten auf dem Stützpunkt Bagram Koran-Exemplare verbrannt hatten. Eine Entschuldigung von US-Präsident Barack Obama konnte die Gewalt nicht eindämmen.
Im nordafghanischen Kundus wurden am fünften Tag der Demonstrationen mindestens fünf Menschen getötet. Nach Behördenangaben wurden am Samstag zudem mindestens 66 Menschen verletzt. Die wütende Menge versuchte, ein Gebäude der UN-Mission in Afghanistan (UNAMA) zu stürmen, wie ein Polizeisprecher sagte. Ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP beobachtete, wie Polizisten in die Menge schossen, um die Demonstranten zu vertreiben.
Nach Angaben eines Sprechers der Bundeswehr, in deren Verantwortungsbereich Kundus liegt, gelang es einigen Demonstranten, auf das Gelände des Gebäudekomplexes vorzudringen. Sie seien aber von afghanischen Polizisten zurückgedrängt worden. Deutsche Soldaten seien nicht nach Kundus ausgerückt, sagte der Bundeswehrsprecher. Bei den gewalttätigen Auseinandersetzungen im Land wurden bislang insgesamt mindestens 29 Menschen getötet. (afp)
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