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Afghanistan: Obamas Signale

Die USA müssen Vertreter aller sieben Gruppen von Aufständischen in Gespräche einbinden, um in Afghanistan erfolgreich zu sein. Von Andreas Schwarzkopf

US-Präsident Barack Obama ließ wieder einmal den Blätterwald rauschen, als er sagte, die US-Armee in Afghanistan ziehe eine Zusammenarbeit mit gemäßigten Taliban in Erwägung. Damit wendete Obama sich an verschiedene Adressaten.

Die breite Masse der US-Bürger bereitet er mit solchen Sätzen auf den seit langem angekündigten Strategiewechsel vor. Für dieses Ziel muss Obama noch einige Altlasten seines Vorgängers George W. Bush aus dem Weg räumen. Der hatte beispielsweise immer wieder betont, mit Terroristen verhandele er nicht.

An die internationale Gemeinschaft sendet Obama erneut die Nachricht, der Konfliktherd Afghanistan und Pakistan sei militärisch nicht zu befrieden. Vielmehr werde dieses Ziel nur erreicht, wenn mit allen - mitunter lange - verhandelt werde, die sich an diesem Projekt beteiligen wollen. Dazu gehören auch Nachbarstaaten wie Iran, laut Bush ein Schurkenstaat.

Den Afghanen signalisiert Obama: wer künftig das Land mit der afghanischen Regierung und der Nato-geführten Schutztruppe Isaf aufbauen will, der ist willkommen. Denn die Gruppe der Aufständischen ist dort äußerst heterogen. Sie lassen sich in sieben Gruppen einteilen.

Da sind die alten Taliban um Mullah Omar, die aus ihrer derzeitigen Position der Stärke heraus Verhandlungen kategorisch ablehnen. Das könnte sich ändern, wenn die USA weitere 17 000 Soldaten schicken und zudem mit Verhandlungen die Phalanx der Aufständischen aufbrechen. Ein Warlord wie Gulbuddin Hekmatjar könnte seinen Widerstand aufgeben, wenn er an der Regierung beteiligt wird.

Lukrativer Job Taliban-Kämpfer

Bei der zweiten Gruppe der Taliban handelt es sich um die breite Masse der Dschihadisten. Sie kommen vor allem aus den afghanischen oder pakistanischen Koran-Schulen und wollen sich am Heiligen Krieg beteiligen. Gibt man ihnen eine Zukunft, würden einige wohl die Waffen weglegen.

Zu den Aufständischen gehören auch unzufriedene Paschtunen-Stämme, die bei der bisherigen Machtverteilung ihrer Auffassung nach nicht genug vom Kuchen abbekamen und sich nur deshalb gegen die paschtunisch dominierte afghanische Regierung stellten. Zumindest in den vergangenen Jahrzehnten haben solche Stämme Bündnisse mit und gegen alle geschlossen, die am Hindukusch etwas zu sagen hatten.

Die Zahl der Widerstandskämpfer, die gegen Geld diesen besonderen Beruf ausüben, ist nicht zu unterschätzen. Schließlich ist das Kriegshandwerk in dem fernen Land nicht verpönt. Schwer wiegt aber auch, dass ein Taliban-Kämpfer doppelt so viel verdient wie ein Polizist.

Vereint gegen den stabilen Staat

Eine weitere Gruppe lässt sich freundlich als Lebenskünstler bezeichnen. Zu ihnen gehören jene, die in den vergangenen kriegerischen Jahrzehnten überlebten, weil sie sich den jeweils Mächtigen anschlossen. Wenn also bewaffnete Taliban in ein Dorf kommen und die Menschen dort fragen, wie sie es mit dem Widerstand halten und außerdem von den Familien Söhne als Kämpfer fordern, dann geben sie diesem Druck nach.

Bleiben noch Drogenanbauer und andere Kriminelle. Sie alle eint der Kampf gegen einen stabilen Staat. Doch weder haben sie einen Anführer gefunden, hinter dem sie sich scharen, noch gibt es eine einfache Ideologie, wie man sie von anderen Aufständen kennt - etwa dem Kommunismus mit einem klaren Feindbild.

Solange dies nicht der Fall ist, lässt sich mit Verhandlungen mit allen Beteiligten in Afghanistan wohl etwas erreichen. Das westliche Bündnis wird sicher die ein oder andere Kröte schlucken müssen. Auch darauf bereiten Politiker wie Obama die Menschen vor.

Autor:  ANDREAS SCHWARZKOPF
Datum:  10 | 3 | 2009
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