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17. Juni 2010

Afghanistan: Pilz vernichtet Mohn

 Von Karl Grobe
Ein Mohnbauer auf seinem Feld bei Peschawar.  Foto: ton koene

In Afghanistan könnten im Kampf gegen Schlafmohn-Felder Biowaffen eingesetzt werden. Ein Pilz lasse derzeit etwa ein Viertel der Pflanzen verdorren. Er könne aber auch mutieren und Getreide oder Baumwolle befallen. Steckt die Nato dahinter? Von Karl Grobe

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Die Schlafmohn-Felder in den afghanischen Provinzen Helmand und Kandahar sind von einem bisher dort unbekannten Pilz befallen. Von dort kommen mehr als 80 Prozent des weltweit verkauften Opiums. In diesem Jahr dürfte die Produktion um wenigstens ein Viertel fallen, wie Antonio Mario Costa der britischen Rundfunkanstalt BBC mitteilte. Costa ist Chef des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC). In den betroffenen Provinzen kursierende Ansichten, Nato-Truppen seien für den plötzlichen Pilzbefall verantwortlich, bestätigte er nicht.

Die BBC hatte allerdings bereits vor zehn Jahren auf entsprechende Forschungen hingewiesen, die unter Aufsicht des UNODC betrieben und von den USA sowie Großbritannien finanziert würden. Sie gehen verschiedenen Forschungsberichten zufolge auf eine Entdeckung im Rahmen eines Biowaffen-Programms in der Sowjetunion zurück. Der Pilz Pleospora papaveracea befalle die Schlafmohnpflanze von der Wurzel her und lasse die Mohnkapseln verdorren. Dies deckt sich offenbar mit dem Befund aus den afghanischen Opium-Hochburgen.

Im Genetischen Institut in Taschkent habe ein Biologenteam seit 1987 eine besonders aggressive Variante des Pilzes entwickelt. Wissenschaftler dieser Gruppe seien nach dem Ende der Sowjetunion von den USA angeworben worden und hätten dort die Forschungen um 2000 zum Abschluss gebracht.

Die USA, die ein vergleichbares Pilz-Programm gegen den Coca-Anbau unterstützten, haben auf den Einsatz in Kolumbien verzichtet, um nicht in den Verdacht der Kriegsführung mit Biowaffen zu geraten. Allein die Herstellung solcher Biowaffen ist illegal, erst recht ihre Anwendung.

Pilzsporen können aus der Luft versprüht werden, ob dies tatsächlich in großem Umfang geschieht, ist nicht bewiesen. Andererseits sind einmal ausgebrachte Sporen praktisch unkontrollierbar. Aus dem Ackerboden sind die Pilzsporen kaum zu entfernen. Hinzu komm ein Effekt, der Monokulturen allgemein betrifft: Die Dichte der Bepflanzung mit nur einer Art bewirkt die rasche Ausbreitung eines Schädlings.

Pleospora papaveracea kann überdies mutieren und auch Getreide oder Baumwolle befallen, wie aus verschiedenen Untersuchungen hervorgeht. Damit gefährdet sein Auftreten eventuell die Existenzgrundlagen der Bauern, selbst wenn sie unter UN-Ägide auf andere Kulturen umsteigen. Mohnanbau ist ohnehin wesentlich lukrativer als der Anbau von Getreide oder etwa Gewürzen wie Safran. Der Rückgang der Opium-Produktion bewirkt zudem einen Preisanstieg für die Droge, wovon Zwischenhändler und ihre Banden profitieren. In den afghanischen Opium-Provinzen sind diese eng mit den lokalen Machthabern verflochten.

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