London. Jahrelang hatten sich die Briten beklagt über geringe Truppenstärke und übergroße Zurückhaltung des deutschen Militärs in Afghanistan. Während die Streitkräfte ihrer Majestät in der südlichen Helmand-Provinz schwere Opfer brachten und bereits 213 Soldaten in Afghanistan verloren haben, schien dem Vereinigten Königreich der Einsatz deutscher Verbände im friedlicheren Norden typisch für die Bemühungen der Deutschen, der "Front" fern zu bleiben.
Umso verblüffter reagiert London auf das von einem Deutschen ausgelöste Bombardement nahe Kundus. Auch wenn sich die Regierung Brown mit offener Kritik noch zurückhält, so wird doch die Sorge deutlich, dass der Vorfall das neue Nato-Konzept für Afghanistan wanken lässt.
In den britischen Medien ist die Bombardierung der Tanklaster jedenfalls als "die tödlichste Militäroperation deutscher Truppen seit dem Zweiten Weltkrieg" charakterisiert worden. Die Aktion habe die Krise in Afghanistan vertieft, den Taliban Gelegenheit zu einer PR-Offensive gegeben, das Dilemma des US-Präsidenten Barack Obama in der Frage weiterer Truppenverstärkung verschärft und Kanzlerin Angela Merkel die Wiederwahl erschwert, urteilt die Londoner Presse.
Auf der Insel ist mit der wachsenden Zahl eigener Verluste der Unmut über den Konflikt stetig deutlicher geworden. In jüngsten Umfragen erklärten 58 Prozent der Befragten, der Krieg sei "nicht zu gewinnen". 52 Prozent verlangten einen sofortigen Abzug der rund 9000 britischen Afghanistan-Soldaten.
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