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Afghanistan-Strategie: Obama in der Defensive

Im Kongress deutet sich Widerstand gegen die Afghanistan-Strategie an. Die US-Bürger verlieren allmählich die Geduld.

US-Präsident Barack Obama.
US-Präsident Barack Obama.
Foto: afp

Washington. Die Entsendung weiterer Truppen nach Afghanistan dürfte im US-Kongress nach Einschätzung der Präsidentin des Repräsentantenhauses auf wenig Gegenliebe stoßen. Sie glaube nicht, dass solche Pläne sehr viel Unterstützung erfahren würden, sagte die Demokratin Nancy Pelosi am Donnerstag vor Journalisten.

Der Vorsitzende des Streitkräfteausschusses des Senats, Carl Levin, äußerte sich ähnlich. Er schließe zwar nicht aus, dass letztlich weitere US-Soldaten am Hindukusch stationiert würden, sagte der einflussreiche Senator der New York Times. Allerdings müsse zunächst die Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte ausgeweitet und vorangetrieben werden. So lange dies nicht geschehe, "sollten wir uns nicht darauf festlegen, mehr Kampftruppen zu entsenden".

Die Welle der Gewalt, von der Afghanistan zuletzt überzogen wurde, lässt die Zustimmung für den Krieg in den USA schwinden. Viele Abgeordnete und Senatoren fürchten deshalb um ihre Wiederwahl bei den Kongresswahlen im kommenden Jahr. Für US-Präsident Barack Obama könnte dies Gegenwind beim wichtigsten außenpolitischen Thema seiner Amtszeit bedeuten. Regierungssprecher Robert Gibbs sagte, Obama habe bislang nicht entschieden, ob er die US-Truppen ein weiteres Mal aufstocken wolle.

Für die Afghanistan-Strategie des Präsidenten soll dieser Herbst die Bewährungsprobe werden. Mehr als 20000 zusätzliche Soldaten hat Obama seit Amtsantritt im Januar bereits in das von einem Taliban-Aufstand geplagte Land geschickt. Bis Jahresende sollen es insgesamt 68000 sein. Hinzu kommen 38000 Soldaten aus anderen Ländern, darunter auch deutsche. Einige Experten schätzen jedoch, dass 45000 zusätzliche Soldaten nötig sein dürften, um die Lage wirklich in den Griff zu bekommen.

Darüber hinaus erschweren die Wahlbetrugsvorwürfe gegen Afghanistans Präsidenten Hamid Karsai die Afghanistan-Politik Obamas. Kann er den US-Soldaten noch befehlen, dort unter Einsatz ihres Lebens eine Regierung zu verteidigen, die Betrugsvorwürfe beharrlich ignoriert?

Der Streit trifft Obama zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. "Es wird sehr schwer sein, die Unterstützung für den Ausgang einer Wahl zu rechtfertigen, für die Hunderte Millionen Dollar ausgegeben wurden und für die Nato-Soldaten gestorben sind, wenn Betrug das Ergebnis bestimmt und nicht der Wille des Volkes", vermutet nicht nur der afghanische Oppositionskandidat Abdullah Abdullah.

Umfragen zufolge verlieren immer mehr US-Bürger die Geduld. Viele bekannte Kolumnisten sprechen sich inzwischen für einen schnellen Abzug aus. Eine Ansicht, die von vielen in Europa geteilt wird - zunehmend auch in den Regierungen. (rtr/dpa)

Datum:  12 | 9 | 2009
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