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Politik
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25. Juni 2008

Akademiker: Auf der Flucht aus Deutschland

 Von BORIS SCHLEPPER

Junge Fach- und Führungskräfte verlassen Deutschland massenhaft. Die Wirtschaft fordert: Zugangshürden für Ausländer senken.

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Berlin. Immer mehr deutsche Fach- und Führungskräfte wandern ins Ausland ab. 2007 kehrten einer Umfrage zufolge 161 000 Bürger der Bundesrepublik den Rücken. Das ist die höchste Zahl deutscher Auswanderer seit 1954. Die Gründe: mehr Lohn, größere Karrierechancen, niedrigere Steuern. Die Folge: eine klaffende Lücke bei Fachkräften.

Vor allem junge, aufstrebende Akademiker ohne Kinder verlassen ihre Heimat. Sie gehörten zur "Crème de la Crème unserer Elite", so Wirtschaftsstaatssekretär Walther Otremba am Dienstag in Berlin.

Von den 1400 befragten Führungskräften, die dauerhaft im Ausland leben, sind zwei Drittel männlich. Sie haben zu 84 Prozent studiert. Besonders beliebte Ziele sind die USA, Großbritannien und die Schweiz. 68 Prozent versprechen sich dort deutlich bessere Berufs- und Einkommensperspektiven. Dennoch ist für mehr als die Hälfte der Auswanderer eine Rückkehr in absehbarer Zeit denkbar. Mehr als jeder Fünfte der Befragten arbeitet im naturwissenschaftlichen oder technischen Bereich.

Gleichzeitig meldete das Institut der deutschen Wirtschaft, dass im April bundesweit mehr als 70 000 Ingenieure zur Besetzung offener Stellen fehlten. "Schon jetzt fehlen in Deutschland mehr als 400 000 Fachkräfte", sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben der FR. Auslandserfahrung sei in einer globalisierten Welt wichtig, "aber Mobilität darf keine Einbahnstraße sein". Deutschland müsse für in- und ausländische Arbeitskräfte gleichermaßen attraktiv sein. Wansleben: "Jeder Wegzug eines Top-Deutschen gefährdet weitere Arbeitsplätze in seinem Umfeld." Die Devise müsse lauten: "Verringerung der Steuer- und Abgabenlast, mehr Familienfreundlichkeit und niedrigere Zuwanderungshürden für ausländische Fachkräfte."

Nach Ansicht von DGB-Vorstand Claus Matecki ist eine "deutliche Tarifsteigerung sowie ein Steuersystem, das nach Leistungsfähigkeit besteuert", nötig. Die Abwanderung ins Ausland habe auch damit zu tun, dass es erhebliche Bruttolohnunterschiede gebe, etwa zu britischen Fachkräften, sagte er der FR.

Ein wichtiger Schritt sei, dass "mehr Menschen als bisher ein Studium erfolgreich beenden", betonte Katrin Greve aus dem Bundesbildungsministerium. Zudem müsse die Begeisterung für die Ingenieur- und Naturwissenschaften früh geweckt werden. In den nächsten drei bis fünf Jahren wolle das Ministerium zudem den Anteil von Frauen in diesem Bereich verdoppeln.

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