Ein schwarzer Sarg: „Atomkraft tötet – 26.4.1986 Tschernobyl – 2011 Biblis“ steht darauf. Einer der Demonstranten trägt einen Strahlenanzug und einen Mundschutz. Viele halten Banner mit der roten Anti-Atomkraft-Sonne in die Höhe oder tragen am Montag Transparente mit der Forderung „Rainer Brüderle, schalten Sie die Atomkraft ab!“ Und fast alle Demonstranten in Mainz machen Lärm – mit Töpfen, Pfannen, Rasseln und Vuvuzelas.
Das Wahlkreisbüro von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) auf dem Mainzer Linsenberg war nur eines von deutschlandweit rund 60 CDU- und FDP-Bundestagsabgeordneten-Büros, die am Montag Ziel der Aktion „Atom-Alarm“ des Kampagnenetzwerks Campact wurden. Das überparteiliche Bündnis übergab den Abgeordneten rund 154000 Unterschriften von Bürgern, die sich mit der Unterzeichnung einer Online-Erklärung gegen die Pläne der schwarz-gelben Bundesregierung wenden, die Laufzeit von Atomkraftwerken zu verlängern. Nach Campact-Angaben demonstrierten rund 5000 Menschen, 150 etwa in Bremen und 100 in Berlin-Neukölln.
In Mainz schirmte die Polizei rund 60 Protestierende ab. In das Wahlkreisbüro hinein gingen nur zwei von ihnen, um die Unterschriften zu übergeben. Brüderle selbst weilte in Berlin, so dass der Mainzer FDP-Geschäftsführer Josef Becker sie entgegennahm. Umringt von den lärmschlagenden Demonstranten diskutierte er auf offener Straße mit der Mainzer Grünen-Bundestagsabgeordneten Tabea Rößner. Sein Argument, die Atomkraft fungiere als „Brückentechnologie“, wollte die Politikerin nicht gelten lassen. Abgesehen davon, dass sie zu gefährlich sei, verhindere sie den Ausbau von regenerativen Energien, weil weiter zu viel Geld in sie investiert werde.
Der „Atom-Alarm“ am Montag war der Auftakt der Campact-Aktionsreihe „Heißer Sommer für Atompolitiker“. In den nächsten Wochen sind unter anderem Flashmobs bei öffentlichen Auftritten von Abgeordneten geplant.
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