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Politik
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18. Dezember 2008

Aktionsplan: Fertigmachen zum Klimawandel

 Von JOACHIM WILLE
Grundausstattung der Zukunft I: die Gummistiefel.  Foto: Oeser

Höhere Deiche, Impfprogramme gegen neue Krankheitserreger, hitzebeständiger Asphalt - Deutschland rüstet sich für die Folgen der globalen Erwärmung. Von Joachim Wille

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Der Super-Sommer 2003 ist vielen noch in bester Erinnerung. Wochenlang blauer Himmel, mediterrane Temperaturen, prima Stimmung. Aber das dafür verantwortliche Dauerhoch Michaela hatte auch Schattenseiten: Viele, meist ältere Menschen litten stark unter der Hitzewelle. Notaufnahmen in Krankenhäusern zählten bis zu 50 Prozent mehr wärmegeschädigte Patienten als üblich. 7000 vorzeitige Todesfälle in Deutschland gingen auf das Konto des Super-Sommers.

Dass solche Hitzeperioden im Treibhaus-Jahrhundert häufiger kommen werden, ist sicher - selbst wenn es gelingt, den globalen CO2-Ausstoß zu senken. Doch der Klimawandel wird nicht nur Folgen für die Gesundheit der Menschen haben, sondern auch praktisch alle Bereiche der Wirtschaft betreffen - von Energieversorgung über Landwirtschaft bis Tourismus. Ein "nationaler Aktionsplan" soll die notwendige Anpassung nun auf den Weg bringen.

Grundausstattung für die Zukunft II: der Sandsack.
Grundausstattung für die Zukunft II: der Sandsack.
 Foto: ddp

Das Bundeskabinett segnete am Mittwoch die Strategie von Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) ab. Danach sollen Bund und Länder den gemeinsam entwickelten Anpassungsplan bis 2011 fertig haben. Es geht dabei um eine Vielzahl von Maßnahmen aus insgesamt 15 Bereichen - zum Beispiel verbesserten Küsten- und Hochwasserschutz, Impfprogramme gegen neue Krankheitserreger, die Sicherung der Straßen durch hitzeresistenten Asphalt oder den Umbau der Forste von Monokulturen zu einem stabilen Mischwald.

Laut Gabriels Report werden die mittleren Temperaturen in Deutschland in diesem Jahrhundert um bis zu 3,5 Grad zunehmen. Folgen sind nicht nur mehr Hitzewellen und Gefahren für die Küsten durch den nach neuen Berechnungen um über einen halben Meter steigenden Meeresspiegel. Vor allem die veränderten Niederschläge wirken sich aus. Im Sommer wird es voraussichtlich viel trockener - vor allem in zentralen Teilen Ostdeutschlands, im nordostdeutschen Tiefland und im süddeutschen Becken. Im Winter jedoch regnet es mehr.

Wie wichtig die Anpassung an den Klimawandel auch ökonomisch ist, haben extreme Wetterereignisse in den letzten zehn Jahren gezeigt, deren Häufigkeit laut Klimaforschern zunehmen dürfte. Die Orkane Lothar und Martin, die 1999 über Deutschland wüteten, verursachten Schäden von über 14 Milliarden Euro, das Elbe-Hochwasser von 2002 kostete rund 9,4 Milliarden.

Schwieriger zu quantifizieren sind Einbußen etwa durch geringere Ernten auf trockeneren Äckern, vermehrte Borkenkäfer-Plagen in den Wäldern oder abnehmenden Tourismus in nicht mehr schneesicheren Wintersport-Orten. Einen Anhaltspunkt, wie stark die Folgen im Agrarsektor sein können, gibt die Erfahrung aus dem Hitzejahr 2003. Hier lagen die Hektarerträge deutschlandweit um rund zwölf Prozent niedriger als in einem Normaljahr, im besonders betroffenen Brandenburg aber sogar um 40 Prozent. Als Folge der Einbußen meldeten die Bundesländer Schäden in Höhe von 600 Millionen Euro, was rund 12 600 landwirtschaftliche Betriebe in Existenzgefahr brachte.

Experten schätzen grob, dass für die Anpassung an den Klimawandel rund ein Prozent des Bruttosozialprodukts aufgewandt werden muss - in der Bundesrepublik wären das rund 25 Milliarden Euro. Genaue Kostenschätzungen für Deutschland gibt es jedoch bislang nicht.


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Der Präsident des Umweltbundesamtes, Andreas Troge, fordert, dass sich Deutschland "so schnell wie möglich" auf den Klimawandel einstellt. Beherzter Klimaschutz könne Schäden durch Stürme, Hitzeperioden oder Hochwasser vermeiden. "Zögern käme uns teuer zu stehen", warnt er. "Wir müssen die Ursachen des Klimawandels bekämpfen und uns ohne Umschweife an die nicht mehr abwendbaren Folgen anpassen", forderte Troge. "Je schneller wir dem Klimaschutz Beine machen", desto einfacher und billiger werde die Anpassung.

Auch der Potsdamer Klimaforscher Manfred Lucht mahnte, über der nötigen Anpassung die Reduktion des Treibhausgas-Ausstoßes nicht zu vernachlässigen. Das vom UN-Klimarat IPCC vorgegebene Ziel, die Erderwärmung bei zwei Grad Celsius plus zu begrenzen, müsse unbedingt eingehalten werden. "Das ist die vordringliche Aufgabe, denn sonst droht das Klima zu kippen", sagte Lucht der Frankfurter Rundschau. Aktive Anpassung werde ansonsten immer schwieriger, warnte der Wissenschaftler.

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