Frankfurt/Kairo. Ein neues Terrorvideo mit Drohungen gegen Deutschland sorgt für Unruhe. In dem am Wochenende aufgetauchten Video, das vom Terrornetzwerk Al Kaida stammen soll, droht ein Deutsch sprechender Vermummter den Bundeswehrsoldaten in Afghanistan. Das halbstündige Video, das auf Oktober 2008 datiert ist, trägt den Titel "Das Rettungspaket für Deutschland", der Sprecher nennt sich "Abu Talha, der Deutsche". Das Bundeskriminalamt hat den Mann nach eigenen Angaben identifiziert.
Demnach verließ er in der ersten Hälfte des Jahres 2007 Deutschland und ließ sich in einem Ausbildungslager im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet zum bewaffneten Dschihad ausbilden. Der Mann solle Kontakte zu Führungskreisen von Al Kaida haben. Zum Video sagte BKA-Sprecher Christian Brockert: "Wir halten es für authentisch." Gegen Deutschland werde eine erhebliche Drohkulisse aufgebaut. Auffällig sei der detaillierte deutsche Bezug und die explizite Nennung des deutschen Afghanistan-Engagements.
Insgesamt untermauere das Video die bisherige Einschätzungen der Bundessicherheitsbehörden, dass Deutschland oder deutsche Interessen im Zielspektrum von Al Kaida stünden, sagte der Sprecher. Die Aufnahme trägt das Logo von As Sahab, einer Organisation, die bereits mehrfach Al-Kaida-Videos produziert hat.
Im ersten Teil des Videos steht der maskierte Sprecher vor einem geröllartigen Hintergrund. Er sagt unter anderem, dass es seit 1993 sein Ziel sei, sich in die Luft zu sprengen. Wenn die Deutschen glaubten, ihnen werde nichts passieren, seien ihre Politiker fehl am Platz. Zudem habe die Finanzkrise den "deutschen Stolz" weggefegt. Der Sprecher fordert den Abzug deutscher Soldaten aus Afghanistan und feuert eine Granate ab.
Im zweiten Teil führt der Sprecher in einer Art Studio vor schwarzem Hintergrund mathematische Funktionen an, anhand derer er beweisen will, dass es mit Deutschland bergab und mit Al Kaida bergauf gehe. Teilweise ist seine Rede mit arabischen Untertiteln unterlegt.
Der Mann, der mit leichtem Akzent Deutsch spricht, geht auf unterschiedliche Ereignisse ein, die im vergangenen Herbst in Deutschland aktuell waren. So kritisiert er etwa, dass die Menschen- und Bürgerrechte "schrittweise gestrichen" würden, wobei er auf den Datenschutzskandal bei der Telekom eingeht. Mit dem Abbau der Bürgerrechte sei Deutschland aber nicht sicherer geworden. Zudem kritisiert er den Abdruck der umstrittenen Mohammed-Karikaturen in deutschen Zeitungen und die Aufführung der Oper "Idomeneo" in Berlin, bei der symbolisch das abgetrennte Haupt Mohammeds gezeigt wurde.
Der Sprecher erzählt auch ausgiebig, wie er von einem Mitarbeiter des Verfassungsschutzes angerufen worden sei, der ihn zur Zusammenarbeit habe überreden wollen, was er aber verweigert habe. Die Aussagen des Mannes sind teils wirr - so erklärt er etwa, der Mitarbeiter des Verfassungsschutzes habe ihm "die Millionenfrage" gestellt, woraufhin er "einen Joker" gezogen habe.
Konkrete Drohungen gegen Deutschland enthält das Video nicht. Der Sprecher verweist allerdings darauf, dass Deutschland das drittgrößte Kontingent an Soldaten in Afghanistan stationiert habe. Großbritannien mit dem zweitgrößten Kontingent habe bereits "einen Vorgeschmack" bekommen. (ap)
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