Glückliches Albanien: Ganze 2799 Bürger haben das stolze Alter von 110 Jahren erreicht. So steht es wenigstens im Wählerregister. Da aber niemand glaubt, dass es ausgerechnet in dem kleinen Balkanland hundert Mal so viele Methusaleme geben soll wie in den hundert Mal größeren USA, wird schon vor der Parlaments-Wahl am Sonntag viel über mögliche Fälschungen gestritten.
Misstrauen ist verbreitet im zweitärmsten Land Europas, besonders wenn es um Zahlen geht, und sie von Premier Sali Berisha kommen. Dem charismatischen 64-Jährigen haftet noch immer der Sündenfall des Jahres 1996 an, als seine Demokratische Partei sich nur mit massiver Wahlfälschung an der Macht hielt. Im Jahr darauf fegte ein Volksaufstand ihn weg. Nach acht sozialistischen Jahren, in denen besonders die Korruption blühte, kehrte Berisha 2005 zurück.
Mit Sali Berisha und dem Sozialisten Edi Rama treten zwei starke Persönlichkeiten gegeneinander an. Umfragen sagen ein Kopf-an-Kopf-Rennen voraus, doch sie sind unzuverlässig. Rama, 44, wird auf dem ganzen Balkan als eine Art Wundertäter gehandelt. Ihm gelang das Kunststück, die heruntergekommene Hauptstadt Tirana zur Vorzeige-Metropole zu machen. Seine Aktionen gegen illegale Bauten und für bunte Farbe auf den grauen Fassaden erregten international Aufsehen.
Regionale Berühmtheit erlangte er eher mit seinem unbalkanischen Führungsstil: Rama putzte Klinken, sprach vor jedem Straßenbauprojekt mit den Anwohnern und richtete eine Hotline für frustrierte Bürger ein. Inzwischen funktionieren in Tirana sogar die Müllabfuhr und der Nahverkehr. Am Sonntag habe das Land die Wahl "zwischen Zukunft und Vergangenheit", sagt Rama auf seinen Versammlungen.
Die Demokraten verweisen dagegen auf die Erfolge der letzten Jahre. Tatsächlich wurden endlich die maroden Straßen saniert, und Albanien erreichte zeitweise hohe Wachstumszahlen. Die 6,8 Prozent für das letzte Jahr werden der Regierung und der Partei allerdings nicht recht geglaubt.
Die EU verlangt als Voraussetzung für weitere Integrationsschritte des Nato-Neumitglieds, dass die Wahl korrekt verläuft und das Ergebnis nachher von allen akzeptiert wird.
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