Selten sind sich die muslimischen Verbände so einig wie beim Thema Antisemitismus unter muslimischen Jugendlichen. Es könne sich nur um Einzelfälle handeln, erklären ihre Sprecher unisono. Judenfeindlichkeit sei mit dem Islam nicht vereinbar; ein gläubiger Moslem könne kein Antisemit sein. Einig ist man sich auch, dass Antisemitismus als "gesamtgesellschaftliches Phänomen" betrachtet werden müsse.
"Ich halte es für bedenklich, das Problem auf ethnische und religiöse Gruppen zu projizieren", sagt Erol Pürlü, Dialogbeauftragter des Verbands der islamischen Kulturzentren. Es bedürfe einer profunden wissenschaftlichen Untersuchung, um den Ursachen von Antisemitismus bei Jugendlichen auf den Grund zu gehen.
Ali Kizilkaya vom Islamrat weist darauf hin, dass "die Menschen viele Identitäten haben und die feindliche Einstellung nichts mit ihrer muslimischen Identität zu tun haben muss". Der Islamrat und seine Gemeinden vermittelten bei jeder Gelegenheit die Botschaft, "dass Antisemitismus eine Form des Rassismus ist".
Bislang sei in Moscheen der türkisch-islamischen Union Ditib kein Fall festgestellt worden, "der als Antisemitismus bezeichnet werden kann", betont Ditib-Sprecher Bekir Alboga. Aus Schulen höre er, dass sich Jugendliche mit muslimischem Hintergrund antisemitisch äußerten; dies sei "als Reaktion auf politische Ereignisse" zu deuten. Auch Oguz Üçüncü, Sprecher der vom Verfassungsschutz beobachteten Organisation Milli Görüs, räumt - wenn auch vereinzelte - Erfahrungen mit jungen Menschen ein, "die über das Ziel hinausschießen".
Projekt mit Juden und Christen
Und auch Üçüncü bringt das mit der der Situation im Nahen Osten in Verbindung. Die muslimischen Gemeinden müssten sich davor hüten, eine Religionsgemeinschaft pauschal zu verurteilen für Taten von politisch Verantwortlichen.
Die Verbände betonen, dass ihre Gemeinden auf Dialog und Prävention setzen. Ditib verweist etwa auf das Projekt "Weißt du, wer ich bin?", an dem sich der Zentralrat der Juden, die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen und der Zentralrat der Muslime beteiligen. "Friedensstiftende Projekte werden aber von der Weltpolitik konterkariert", so Alboga.
Milli Görüs greift das Thema nach eigenen Angaben in der Jugendarbeit auf. "Wir konfrontieren die Jugendlichen mit ihren Widersprüchen." Sprecher Üçüncü sieht in einfachen Weltbildern, Ausgrenzungserfahrung und dem Unvermögen, eigene Fehler zu akzeptieren, Ursachen für negative Einstellungen gegenüber Juden. "Die Schule ist der Ort, wo sie lernen müssen zu differenzieren."
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