Wenn denn die Väter als Elternteil eine immer stärkere Vorbildfunktion einnehmen, wie Familienministerin Kristina Schröder (CDU) es am Dienstag postulierte, dann ist dieser neue Mann vor allem in Bayern beheimatet. Dort nämlich war die Quote derjenigen, die Büro oder Werkbank mit dem Wickeltisch tauschen und dafür Lohneinbußen hinnehmen, am höchsten.
In Dreivierteln der Kreise im Freistaat nahmen jeweils mindestens 25 Prozent der Väter im Jahr 2008 Elterngeld in Anspruch, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden jetzt bekanntgab. Fast ebenso gut dabei waren auch Berlin und Sachsen, nämlich deutlich über dem Durchschnitt von 21 Prozent. Ganz anders hingegen stellten sich die Zahlen beim Schlusslicht Saarland dar. Dort wollten nur zwölf Prozent der Väter wenigstens zeitweise die Hauptrolle an Heim und Herd übernehmen.
Nach Kreisen waren Jena (43 Prozent) und Potsdam (39) die Vorreiter. Das geringste Interesse an einem zeitweiligen Rollentausch hatten die Männer in Gelsenkirchen und Olpe sowie im niedersächsischen Nienburg.
Der Rechenstift regiert
Der sozio-ökonomische Vergleich legt jedoch nahe, dass bayerische Väter nicht eben kinderlieber wären als etwa diejenigen aus dem Saarland. Vielmehr deuten niedrigere Arbeitslosigkeit und höhere Tarife in Regionen mit mehr männlichen Elterngeldbeziehern darauf hin, dass hier der spitze Bleistift regiert und nicht das Verantwortungsbewusstsein. Dem besser situierten Süddeutschen fällt es offensichtlich leichter, zeitweilig einen Abschlag von 33 Prozent seines Nettogehaltes zu verkraften als einem Arbeitnehmer in den neuen Ländern oder anderen strukturarmen Gebieten mit niedrigeren Löhnen.
Dies zeigt sich auch am Niveau des Elterngeldanspruchs. So bezog ein Vater im wohlhabenden bayerischen Kreis Eichstätt im Schnitt 1355 Euro Elterngeld monatlich, im ostdeutschen Saale-Orla-Kreis musste er dagegen mit 816 Euro zurechtkommen. Die angeblich so vorbildlichen Männer gingen somit mehrheitlich nach dem Schema vor: alternativ ja, aber bitte auch lukrativ.
Die Differenz beim Elterngeld wirft auch ein Schlaglicht auf die Einkommensunterschiede bei Mann und Frau: Können Väter im Bundesschnitt mit einem Monatszuschuss von 1131 Euro rechnen, so sind es bei Müttern nur 844. Die Differenz von knapp einem Drittel zeigt im Umkehrschluss auf, wie weit die Frauen noch von den Verdienstmöglichkeiten der Männer entfernt sind.
Claudia Weinkopf vom Institut für Arbeit und Qualifikation in Duisburg beurteilt die Erhebung daher weit weniger optimistisch als die Familienministerin. Immerhin sei ein Anreiz geschaffen worden, das traditionelle Rollenmuster in der Familie erst einmal zu verlassen, räumt sie ein. Vom ursprünglich beschlossenen Gesamtkonzept aber sei die Regierung weit entfernt. Das sah nämlich ein flächendeckendes Angebot von Betreuungsplätzen für Ein- bis Dreijährige vor. Danach sieht es derzeit aber nicht aus. Claudia Weinkopf fürchtet, dass nach der Elternzeit „alles wieder so wird wie bisher und die meisten Frauen unbezahlt als Mütter in den Haushalt zurückkehren“.
Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl
Bleibt Barack Obama Präsident der USA? Oder macht Mitt Romney von den konkurrierenden Republikanern das Rennen?
US-Wahl-Spezial mit Analyse und Hintergrund
Interaktive Karte zu den Vorwahlen der Republikaner
Exklusive Reportagereise durch den Wahlkampf
Weblog der USA-Experten unserer Redaktion
Bombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.
Ihr Wunsch-Bundespräsident Wulff scheitert, sie muss Gauck als Nachfolger hinnehmen, ihre Mehrheit steht im Bundestag nicht mehr hinter ihr: Die Autorität von Bundeskanzlerin Merkel schwindet. Das Spezial.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.