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Politik
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30. Oktober 2013

Alternative für Deutschland AfD: Zulauf vom rechten Rand

 Von 
AfD-Fans marschieren auf.

Von der AfD fühlen sich Ultrakonservative angezogen. Die Partei selbst widersteht dem Zuspruch extremer Gruppierungen nur halben Herzens. Bernd Lucke behauptet tapfer, seine Partei wolle keinen "Beifall von falscher Seite" - dabei hat er selbst mit seinen Thesen dazu beigetragen.

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Bernd Lucke hält wieder Vorlesungen. 130.000 Stimmen haben seiner „Alternative für Deutschland“(AfD) am 22. September zum Einzug in den Bundestag gefehlt. Dennoch denkt der Wirtschaftsprofessor nicht daran, die Politik so schnell wieder bleiben zu lassen. Im Gegenteil. Ab März lässt er sich von der Universität Hamburg für ein Semester beurlauben – oder länger, wenn seiner Partei im Mai der Einzug ins Europaparlament gelingt. Der 52-Jährige will sich auf einem Parteitag im Januar als Spitzenkandidat nominieren lassen.

Aber auch als Teilzeitpolitiker hat der Professor alle Hände voll zu tun, den Laden im Griff zu behalten. Seit ihrem Gründungskongress im Frühjahr in Berlin gibt es immer wieder Versuche, die „Partei des gesunden Menschenverstandes“ (Lucke) weiter nach rechts zu rücken. Nach ganz rechtsaußen.

„Beifall von falscher Seite“

Jüngstes Beispiel: Der frühere Berliner CDU-Politiker René Stadtkewitz ist mit seiner Partei „Die Freiheit“ gescheitert. Deshalb stellt der extreme Islamkritiker die eigenständigen Aktivitäten ein und ruft zur Unterstützung der AfD auf. Begründung: „Jede unnötige Konkurrenz spielt denen in die Hände, die Deutschland am liebsten abschaffen wollen“. Stadtkewitz fordert andere Kleinparteien mit ähnlichen Zielen auf, „es uns gleichzutun“. Stadtkewitz‘ Stellvertreter Michael Stürzenberger sagte zu „Spiegel-Online“, rund 500 Mitglieder der „Freiheit“ seien „möglicherweise rüber zur AfD“.

Lucke war alarmiert und verfügte umgehend einen Aufnahmestopp. In der „Freiheit“ gebe es „fremdenfeindliche und islamophobe Tendenzen“, ließ er seine Sprecherin Dagmar Metzger erklären, „das wollen wir in keinster Weise bei uns“.

Dennoch fühlen sich auch andere Ultrakonservative von der AfD angezogen wie Motten vom Licht. Sie sei die „wahrhaftige Alternative“ warb etwa vor der Bundestagswahl die Berliner Burschenschaft Gothia. Sie hat laut „Spiegel“ zuletzt mit antisemitischen Kommentaren und einer Nazi-Kunst-Ausstellung von sich reden gemacht. Tapfer behauptet Lucke, „Beifall von falscher Seite“ wolle seine Partei nicht haben. Dennoch hält der an.

Der Professor hat dazu selbst mit seinen Thesen beigetragen. So erklärte er im Bundestagswahlkampf, es würden weniger schlecht ausgebildete Menschen aus Osteuropa nach Deutschland kommen, wenn sie hier Sozialleistungen wie in ihren Heimatländern bekämen. Nach Auffassung des Meinungsforschers Manfred Güllner fischt die AfD „dort, wo schon der Republikaner Franz Schönhuber oder der Hamburger Roland Schill erfolgreich waren“. Güllner zufolge haben 16 Prozent der AfD-Wähler von 2013 vier Jahre zuvor für eine Partei am rechten Rand gestimmt. Der Demoskop kritisiert besonders eine Aktion, bei der Mitglieder der Partei in Berlin Euronoten verbrannt hätten – in der Nähe des heutigen Berliner Bebel-Platzes, wo Anfang der 30er Jahre die Bücherverbrennung der Nazis stattgefunden hat. Wer so etwas an dieser Stelle tue, kritisierte Güllner, „hat entweder kein Gespür oder er macht es bewusst“.


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Shitstorm gegen Poschardt

AfD-Vizesprecher Alexander Gauland hat sicher ein feines politisches und historisches Gespür. Er beklagt, dass die deutsche Geschichte zu sehr unter dem Blickwinkel der Bewältigung des Nationalsozialismus gesehen werde. Für seine Partei nimmt er ein „lange verschüttetes nationalliberales Lebensgefühl“ in Anspruch. Das sei „zutiefst menschlich, konservativ nicht im politischen Sinne, sondern im lebensweltlichen“.

Doch der ehemalige christdemokratische Feingeist musste dieser Tage seine neuen Freunde „zur Mäßigung bei der Meinungsäußerung im Internet“ aufrufen. Grund: Gauland hatte bei Anne Will unter anderem mit Ulf Poschardt von der konservativen Zeitung „Die Welt“ debattiert und einigen Widerspruch von ihm bekommen. Daraufhin entfachten AfD-Sympathisanten einen Shitstorm auf dessen Facebook-Seite.

Nach der Liste im Januar will die AfD im März auch ein Programm zur Europawahl verabschieden. Dann muss sich zeigen, ob es dem Vorsitzenden und Mitstreitern wie Gauland gelingt, die Partei auf dem Kurs eines vorsichtigen Rechtskonservatismus zu halten, der nicht bloß Extremisten anzieht.

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