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Alternativen bei Gasversorgung: Nabucco-Pipeline hat große Konkurrenz

Der russisch-ukrainische Gasstreit hat die Diskussion über Alternativen für Europas Gasversorgung neu in Gang gebracht.


Foto: FR-Infografik

Der russisch-ukrainische Gasstreit hat die Diskussion über Alternativen für Europas Gasversorgung neu in Gang gebracht. Nicht nur die europäischen Abnehmerländer stehen vor der Frage, wie sie eine Diversifizierung ihrer Versorgung erreichen können. Auch Russland sucht neue Exportrouten, um von Transitländern wie der Ukraine unabhängiger zu werden. Die Strategen des Staatsmonopolisten Gazprom versuchen das auf zwei Wegen: Nord Stream, die geplante Ostsee-Pipeline, soll Erdgas vom russischen Wyborg durch die Ostsee direkt ins deutsche Lubmin bei Greifswald führen. Das Projekt, an dem auch die deutschen Unternehmen BASF/Wintershall und Eon sowie die niederländische Gasunie beteiligt sind, stößt jedoch auf Widerstände bei den baltischen und skandinavischen Anrainern, die mit den Genehmigungen zögern.

Das zweite Gazprom-Projekt nennt sich South Stream. Es sieht eine Pipeline vor, die von der russischen Hafenstadt Noworossijsk durch das Schwarze Meer zum bulgarischen Warna führen soll. Von Bulgarien könnte ein Strang über Griechenland nach Süditalien und ein anderer Zweig über den Balkan nach Österreich verlaufen.

Manche glauben in den Pipeline-Plänen von Gazprom bereits eine "russische Gaszange" zu erkennen, die Europa umklammern werde: mit Nord Stream und South Stream würden die europäischen Abnehmer zwar unabhängiger von dem Transitland Ukraine, über dessen Leitungsnetz jetzt fast 80 Prozent der russischen Gasexporte laufen. Die Abhängigkeit Westeuropas von dem Lieferanten Russland würde jedoch durch die beiden Projekte weiter wachsen.

Eine Diversifizierung der Gaslieferanten werde deshalb angesichts der Krise immer wichtiger, sagt Reinhard Mitscheck. Er ist Geschäftsführender Direktor der Nabucco Gas Pipeline International. Das Konsortium, dem unter Führung des österreichischen Energiekonzerns OMV Partner aus Ungarn, Rumänien, Bulgarien und der Türkei sowie die deutsche RWE angehören, will eine 3300 Kilometer lange Gaspipeline von der türkischen Ostgrenze über den Balkan nach Österreich bauen. Die EU will Nabucco als Beitrag zur Diversifizierung der Gasversorgung Europas politisch und finanziell fördern. Doch das Vorhaben verzögert sich immer weiter.

Zu den Geburtsfehlern von Nabucco gehört, dass von Anfang an unklar war, wo das Gas für die Pipeline herkommen soll. Lediglich Aserbaidschan, das mit der Türkei bereits über die Südkaukasus-Pipeline verbunden ist, hat bisher Lieferungen zugesagt, kann aber alleine die auf 30 Milliarden Kubikmeter pro Jahr ausgelegte Leitung nicht füllen.

Turkmenistan und Kasachstan kämen als Lieferanten infrage, aber neben China und Indien machen auch die Russen den Europäern die Gasvorräte am Kaspischen Meer streitig: mit langjährigen Lieferverträgen versucht Gazprom, den Europäern das Gas wegzukaufen, um es in seine South Stream-Leitung einzuspeisen. Sie steht in direkter Konkurrenz zu Nabucco. Ohne Erdgas aus dem Iran dürfte die Nabucco-Leitung kaum zu füllen sein. Doch das stößt auf politische Bedenken, solange der Atomstreit des Westens mit Teheran nicht beigelegt ist.

Überdies kämpft das Nabucco-Konsortium mit inneren Konflikten. Die Türkei will einen Teil des über ihr Territorium gepumpten Gases zu Vorzugspreisen abzapfen und selbst vermarkten. Manche Fachleute bezweifeln, dass Nabucco je gebaut wird, zumal die Finanzierung nicht gesichert ist. Nabuccos Befürworter klagen, es fehle an entschlossener politischer Unterstützung der EU. Das könnte sich nun ändern. Ende Januar treffen sich die Konsortialfirmen mit Repräsentanten der beteiligten Länder und der EU-Kommission sowie Vertretern von Finanzinstitutionen zum "Nabucco-Gipfel".

Autor:  GERD HÖHLER
Datum:  9 | 1 | 2009
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