Auf dem Amerika-Gipfel in Trinidad und Tobago hat US-Präsident Barack Obama den Staaten des Kontinents "gleichberechtigte Partnerschaft" angeboten - eine deutliche politische Wende, die die bald fünfzigjährige US-Blockade Kubas beenden könnte. In den Beziehungen Washingtons zu den anderen 34 amerikanischen Staaten werde es künftig "keine Seniorpartner und keine Juniorpartner" mehr geben, versprach Obama. Er habe "viel zu lernen und große Lust zuzuhören", sagte der US-Präsident, dessen Auftritt im karibischen Trinidad und Tobago mit Spannung erwartet worden war. Er sei nicht angereist, um über die Vergangenheit zu debattieren, sondern um das Verhältnis zu den südlichen Nachbarn auf eine neue Grundlage zu stellen.
An dem Gipfel nahmen 34 Staats- und Regierungschefs teil; nur das 1962 von der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) ausgeschlossene Kuba fehlte, stand aber dennoch im Mittelpunkt. Obama kündigte ausdrücklich einen "Neubeginn" in den Beziehungen zum Inselstaat an. Vorangegangen waren beiderseitige Zeichen der Entspannung. Obama hatte über Ostern einige der Restriktionen bei Reisen und Geldtransfers gelockert. Umgekehrt beteuerte Kubas Staatschef Raul Castro vor kurzem, im Dialog mit Washington könne man über "alles, alles, alles" sprechen und nannte ausdrücklich Menschenrechte, Pressefreiheit und politische Gefangene, also die Themen, mit denen Washington den Boykott Kubas seit Jahrzehnten begründet.
Während Obama unterstrich, er wolle sich lieber auf die Zukunft als auf die Vergangenheit konzentrieren, warfen einige seiner Kollegen den USA vor, sich wie eh und je in Lateinamerika einzumischen. Boliviens Präsident Evo Morales sagte, er sehe nach 100 Tagen Obama keinen echten Wandel. Washington konspiriere nach wie vor gegen seine Regierung. Morales hatte im September den US-Botschafter ausgewiesen. Jenseits der medienträchtigen Wortgefechte standen die Wirtschaftskrise und ihre Auswirkungen im Mittelpunkt des Gipfels.
"Como estás", fragte Obama
Vor allem das mit Spannung erwartete Zusammentreffen von Obama und dem venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez zog die Aufmerksamkeit auf sich. Der Linkspopulist Chávez hatte Obama-Vorgänger George W. Bush immer wieder mit schärfsten Worten geschmäht und das "Imperium" - also die USA - verbal attackiert. Obama und er fanden jedoch zu freundlicheren Umgangsformen, die auf künftig weniger angespannte Beziehungen schließen lassen. Chávez schlug der amerikanischen Außenministerin Hillary Clinton vor, wieder Botschafter auszutauschen. Im September hatte Chávez den US-Chefdiplomaten in Caracas aus Solidarität mit Bolivien ausgewiesen.
"Como estás?", wie geht's dir, fragte Obama auf Spanisch den Venezolaner gleich zu Beginn des Gipfels. Der sagte auf Englisch, er wolle Obamas Freund sein. Chávez schenkte Obama das Buch "Die offenen Adern Lateinamerikas", einen linken Klassiker aus den Siebzigern, der die Ausbeutung und die Militärinterventionen der USA in Lateinamerika anprangert.
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