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21. Dezember 2012

Amoklauf von Newtown: Die US-Waffenlobby bleibt sich treu

 Von Damir Fras
Demonstranten stören die Rede des NRA-Vizepräsidenten Wayne LaPierre. Foto: AFP

Die US-Waffenlobby spricht sich nach dem Amoklauf von Newtown für einen bewaffneten Schutz von Schulen aus. „Das Einzige, das einen bösen Typen mit einer Waffe stoppt, ist ein guter Typ mit einer Waffe“, erklärt die NRA.

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Washington –  

Wayne LaPierre lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Der Geschäftsführer der mächtigen Waffenlobby-Organisation National Rifle Association (NRA) redet gerade vom gefährlichen Einfluss, den Videospiele und die Kinoindustrie auf die Menschen hätten, als ein Mann mit einem Plakat vor LaPierres Rednerpult auftaucht. Darauf steht: „Die NRA tötet unsere Kinder.“ LaPierre ignoriert den Protest. Kurz darauf lässt sich eine Frau im Saal des ehrwürdigen Hotels Willard in Washington blicken. Sie ruft: „Die NRA hat Blut an den Händen.“ Wieder bleibt LaPierre gelassen. Er will sich nicht stören lassen. Er hat schließlich Vorschläge zu machen.

Genau eine Woche ist es in dem Augenblick her, dass in Newtown im Bundesstaat Connecticut der 20 Jahre alte Adam Lanza 20 Schulkinder im Alter von sechs und sieben Jahren, sechs Lehrer und seine Mutter erschossen hat, bevor er sich selbst tötete. Genau eine Woche lang hat auch die NRA geschwiegen und sich nicht geäußert.

Am Freitag schickt die NRA dann doch Wayne LaPierre auf die Bühne. Es wurde spekuliert, die NRA könnte womöglich nach dem schlimmsten Massaker an einer Schule in der US-Geschichte einer Verschärfung der laxen Waffengesetze zustimmen. Doch die Mutmaßungen waren falsch.

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LaPierre sagt gleich zu Beginn seiner Ausführungen, dass strengere Gesetze zum Erwerb von Schusswaffen nicht hilfreich seien: „Der einzige Weg, einen bösen Menschen mit einer Waffe zu stoppen, ist ein guter Mensch mit einer Waffe.“ Das ist so etwas wie der Standardkommentar der NRA nach jedem Amoklauf in den USA.

Alles und jeden mit Waffen schützen

Die Lobbyisten der NRA vertreten nach eigenen Angaben rund vier Millionen Waffenbesitzer. Das seien vier Millionen Väter und Mütter, Brüder und Schwestern, sagt LaPierre und beginnt, seinen Plan zu erläutern, wie Massaker künftig vermieden werden können. Demnach sollen in jeder Schule in den USA bewaffnete Polizisten Dienst tun, um Amokläufer abzuschrecken. Waffen an Schulen dürften nicht länger ein Tabu sein, sagt LaPierre. Der Präsident, die Mitglieder des US-Kongresses, Sportstadien, öffentliche Gebäude - alles und jeder werde in den USA mit Waffen geschützt. „Doch unsere geliebten, unschuldigen und verletzbaren Kinder lassen wir jeden schutzlos zurück“, sagt LaPierre. Die NRA sei bereit, die künftigen Schulwächter zu trainieren.

Es ist ein bizarrer Auftritt. LaPierre spricht länglich über seine Idee von einem nationalen Programm zum Schutz der Schulen. Er sagt, dass die Medien die Schuld an Amokläufen wie jenem in Newtown trügen. Auch werde in Musikvideos und Computerspielen die Gewalt verherrlicht.

Dass Amokläufer gewöhnlich Waffen verwenden, davon spricht LaPierre dagegen nicht. Und auch nicht von halbautomatischen Schnellfeuergewehren. Adam Lanza benutzte eine Waffe diesen Typs und feuerte damit in wenigen Minuten fast 100 Schuss Munition ab. Für eine Debatte über schärfere Gesetze sei auch später noch Zeit, sagt LaPierre. Erst müsse sichergestellt werden, dass am ersten Tag nach den Weihnachtsferien ein mit Schusswaffe versehener Schutzmann in jeder Schule stehe.

Wer sich nach dem etwa 20-minütigen Auftritt von LaPierre nach mehr Aufklärung sehnt, wird enttäuscht. Fragen will der mächtigste Waffenlobbyist der USA an diesem Tag nicht beantworten.

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