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Amtseinführung von Barack Obama: Der mächtigste Nachbar der Welt

Was die Menschen aus der Pennsylvania Avenue vom neuen Hauptmieter im Weißen Haus halten. Von Dietmar Ostermann


Foto: rtr

Die Obamas ziehen ins Weiße Haus - und bekommen neue Nachbarn. Entlang der Pennsylvania Avenue, wo in der Hausnummer 1600 NW der Präsident der USA wohnt, hat die FR sechs von ihnen getroffen.

Washingtons berühmteste Straße beginnt im schicken Nobelviertel Georgetown. Ecke M-Street verkauft hier die Designerin Ann Hand Patriotenschmuck vom Feinsten. Im Geschäft hängen Dankesbriefe von Hillary Clinton und George W. Bush. Jetzt hat auch Michelle Obama geschrieben: "Alle Ihre Stücke reflektieren einen Stolz auf unsere Geschichte und einen Patriotismus, den ich inspirierend finde." Ganz reizend sei die Anstecknadel mit dem Freiheitsadler für Barack. Dessen Heimatliebe haben Kritiker kürzlich noch in Zweifel gezogen, weil er keine US-Fahne am Kragen trug. Jetzt können Vollblutpatrioten bei Ann Hand eine Obama-Präsidentenbrosche kaufen: 18 Karat, 3800 Dollar.

Ann Hand.
Ann Hand.
Foto: FR

Wenige 100 Meter weiter schläft David DuPont unter einer Brücke, obdachlos seit Hurrikan Katrina, wartend auf wärmeres Wetter und den politischen Wandel. In einer Querstraße am Washington Circle wiederum sieht der konservative Strippenzieher Grover Norquist neuer Ohnmacht entgegen. In den Bush-Jahren hatte er beste Verbindungen ins Weiße Haus. Unter Obama sind Leute wie Norquist abgemeldet.

Bleiben aber wird die Mahnwache der Friedensaktivistin und Dauer-Demonstrantin Conception Picciotto vor dem Weißen Haus. Obamas "Yes, we can"-Spruch hat sie sich an die Brust geheftet, doch dem künftigen Präsidenten misstraut sie.

David DuPont.
David DuPont.
Foto: FR

Berühmt ist die Pennsylvania Avenue vor allem als Machtachse, die das Weiße Haus mit dem Kapitol verbindet. Doch jenseits der Downtown verbindet die Straße auch den reichen Westen mit dem armen Osten der Stadt, das weiße mit dem schwarzen Washington. Dort betet Kendrick Curry, Pastor der Pennsylvania Baptist Church, für den ersten "Brother" im Weißen Haus. Obama versteht die Sorgen der Benachteiligten, da ist sich Curry sicher. Und vielleicht kommt der Präsident zum Beten ja in seine Kirche.

Ann Hand

Grover Norquist.
Grover Norquist.
Foto: FR

Anfangs war das für mich nur ein Hobby: Ich wollte Schmuck machen, der den Stolz und Patriotismus unseres Landes widerspiegelt. Ich arbeite viel mit Adlern, wehenden Fahnen, Siegeln. Ich habe Broschen für alle Streitkräfte entworfen, auch die offizielle Anstecknadel für die Frauen der Kongressabgeordneten. 1993 trug Hillary Clinton eine meiner Arbeiten in Deutschland. Außenministerin Madeleine Albright war dann später ja geradezu berühmt für ihre Broschen. Für die Obamas habe ich den offiziellen Pin zur Amtseinführung entworfen, den können sie auf seiner Webseite kaufen. Wir haben auch Obama-Sonnenbrillen gemacht, Anstecker und sogar Hundemarken. Auf einer steht "Ich war dort", auf einer anderen "Dies ist unser Moment, dies ist unsere Zeit". Auf der Rückseite ist das Datum der Amtseinführung eingraviert. Das ist ja so ein historisches Ereignis. Ich erinnere mich noch, als ich in Texas aufwuchs, da gab es Schilder: "Dieses Restaurant ist nur für Leute mit einer bestimmten Hautfarbe." Die jungen Leute können sich das heute gar nicht vorstellen, Gott sei Dank. Dass Obama eine Pop-Ikone ist, spielte ehrlich gesagt bei meiner Arbeit für ihn keine Rolle. Wir haben unseren Entwurf eingereicht, und sie haben uns ausgewählt. Es hat ihnen also gefallen.

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Datum:  20 | 1 | 2009
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