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Politik
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25. Januar 2016

Angebliche Vergewaltigung: Hetze im russischen Staatsfernsehen

 Von Andreas Kopietz
Wie hier in Villingen-Schwenningen demonstrierten am Wochenende Tausende Russischstämmige gegen „Migrantengewalt“.  Foto: dpa

Eine 13 Jahre alte Berlinerin soll von Arabern entführt und vergewaltigt worden sein. Dieses Gerücht macht im russischen Fernsehen, bei Facebook und Twitter die Runde und treibt mehrere Tausend Menschen in Deutschland auf die Straßen - auch Rechtsextremisten.

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Der Fall ist so brisant wie undurchsichtig – und hat sich zu einem Problem von bundesweiter Bedeutung ausgewachsen, nicht nur für Polizei und Medien: Wegen der angeblichen Vergewaltigung eines Kindes haben am vergangenen Wochenende mehrere Tausend Menschen in einigen deutschen Städten demonstriert – die meisten Russlanddeutsche, aber auch deutsche Rechtsextremisten.

Getrieben waren sie von einem Gerücht, das seit einer Woche im russischen Fernsehen, bei Facebook und Twitter die Runde macht: Ein 13-jähriges Mädchen aus Berlin-Marzahn soll von Arabern entführt und vergewaltigt worden sein. Lisa F., die aus einer Familie russischer Einwanderer stammt, war am Montag vor zwei Wochen nicht in der Schule erschienen. Die Familie meldete sie bei der Polizei als vermisst. Tags darauf war sie wieder da.

Daheim erzählte das Kind, es sei von Arabisch sprechenden Männern entführt, in einer Wohnung festgehalten und mehrmals vergewaltigt worden. Die Familie erstattete bei der Polizei Anzeige. Und sie gab Interviews: etwa einem Reporter des Pervij Kanal, eines russischen Staatssenders. Dieser behauptete, in Deutschland vergewaltigten Migranten Minderjährige und die Behörden unternähmen nichts.

Die Polizei bestätigt zwar, dass das Kind vermisst war, erklärt aber: „Es gab weder eine Entführung noch eine Vergewaltigung.“ Mehr sagen die Polizeisprecher unter Berufung auf den Schutz des Kindes nicht.

Reporter wegen Volksverhetzung angeklagt

Dieses Mal befeuert die Einsilbigkeit der Polizei in sozialen Netzwerken die Gerüchte und sorgt für rassistische Kommentare. Russische Fernsehsender wie TV Zvezda, Ren-TV, Rossija 1 und Sputnik griffen die Geschichte von den angeblichen arabischen Vergewaltigern auf. Auch die NPD veranstaltete eine Demonstration. Aufgebrachte Russen demolierten den Eingang eines Flüchtlingsheims in Marzahn. Dreimal versammelten sich Hunderte Mitglieder der russischen Community, um gegen die angebliche Untätigkeit der Polizei zu demonstrieren.

Inzwischen hat Rechtsanwalt Martin Luithle aus Konstanz den in Berlin lebenden Fernsehreporter des Pervij Kanal wegen Volksverhetzung verklagt. „Er hat in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, seine in Deutschland lebenden russischsprachigen Landsleute zum Hass gegen Flüchtlinge aufgestachelt und zugleich indirekt zu Gewalt und Willkürmaßnahmen gegen sie aufgefordert“, so der Anwalt.

Unterdessen scheint langsam klar, was dem Mädchen wirklich widerfuhr. Nach der angeblichen Vergewaltigung ließ die Polizei das Kind rechtsmedizinisch untersuchen. Vergewaltigungsspuren fand man nicht. Roman Igler, Rechtsanwalt der Familie, legt sich nicht fest, ob das Kind vergewaltigt oder sexuell missbraucht wurde. „Fakt ist aber: Als die Tochter wieder zu Hause war, hatte sie starke Hämatome am Körper“, sagt er. Aber er bescheinigt der Polizei, sie ermittle mit der nötigen Sorgfalt.

Ermittler vermuten, dass die 13-Jährige  freiwillig mit einem oder mehreren Männern mitging – dies wohl nicht zum ersten Mal. „Sie ist offenbar in falsche Kreise geraten“, so Justizsprecher Martin Steltner am Montag. „Wir gehen von einem einvernehmlichen sexuellen Kontakt aus. Aufgrund des geringen Alters des Mädchens ermitteln wir wegen sexuellen Missbrauchs.“ Und zwar gegen eine namentlich bekannte Person.

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