Das wissen wir über Angela Merkel: Sie ist 1954 in Hamburg als Angela Kasner geboren worden und im brandenburgischen Templin aufgewachsen. Das klingt nach einer soliden nord-ostdeutschen Herkunft. Doch nun erfahren wir, dass die polnischen Wurzeln der Kanzlerin viel stärker ausgeprägt sind, als bisher bekannt war.
Der Journalist Stefan Kornelius ist für sein am Donnerstag erscheinendes Buch „Angela Merkel – die Kanzlerin und ihre Welt“ bisher kaum beachteten Hinweisen auf ihre Familiengeschichte nachgegangen und hat Erstaunliches herausgefunden. Zum Beispiel ist ihr Familienname Kasner gerade einmal zwei Generationen alt. Ihr Großvater Ludwig kam Anfang der 20er-Jahre des letzten Jahrhunderts aus der gerade wieder Polen zugefallenen Provinz Posen nach Berlin und hieß noch Kazmiercak. 1926 wurde auch Angelas späterer Vater unter diesem Namen geboren. Erst 1930 entschied sich Ludwig Kazmiercak, seine polnische Herkunft hinter einem deutschen Namen zu verbergen, möglicherweise auch, um sein Fortkommen bei der Berliner Polizei zu erleichtern. Er nannte sich und seine Familie fortan Kasner.
Angela Merkel, die nie viel Aufhebens um ihre Familie gemacht hat – wer weiß zum Beispiel etwas über ihre beiden jüngeren Geschwister? – hat ihre polnischen Wurzeln nur selten öffentlich angedeutet. 1995 erwähnte sie auf dem Kirchentag in ihrer Heimatstadt Hamburg ihren Großvater aus Polen, einmal wohl auch im Jahr 2000, wie Kornelius recherchiert hat.
Nur in polnischen Medien fand das damals einige Aufmerksamkeit; in Deutschland fragte niemand weiter nach der Herkunft der gerade zur CDU-Vorsitzenden gewählten Politikerin. Und die gibt über Privates eben allenfalls Auskunft, wenn sie gefragt wird – wenn überhaupt.
Dabei lässt sich in der Politik der Kanzlerin Angela Merkel durchaus eine besondere Sympathie für das Nachbarland erkennen, die nun auch eine persönliche Begründung erfährt. Sie gilt als entscheidende Fürsprecherin Polens in Europa und und pflegt ein besonders enges Verhältnis zum Ministerpräsidenten Donald Tusk.
Die Polen wählen Merkel regelmäßig zur wichtigsten ausländischen Politikerin, sie genießt größte Sympathien. Aber schließlich ist sie ja auch zu einem Viertel eine von ihnen. Sozusagen.
"Kohls Mädchen": Die damalige Frauenministerin Angela Merkel mit ihrem Mentor, Bundeskanzler Helmut Kohl, im Dezember 1991 im Dresdner Kulturpalast. In den folgenden Jahren geht Merkel zunehmend auf Distanz zu ihrem Freund und Helfer.
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