Bei den Parlamentswahlen in Angola zeichnet sich ein Erdrutschsieg der regierenden Volksbewegung für die Befreiung Angolas (MPLA) ab. Die erste Wahl in dem Staat seit 16 Jahren war von Unregelmäßigkeiten überschattet. Vor allem in der Hauptstadt Luanda, wo fast ein Viertel aller registrierten Wähler lebt, herrschten seit Beginn des Urnengangs am Freitagmorgen chaotische Zustände.
Stimmzettel fehlten ebenso wie Wählerlisten, Siegel an den Urnen oder Tinte, um die Finger der Wähler einzufärben und so Wiederholungen zu vermeiden. Die Chefin der EU-Beobachtermission, Luisa Morgantini, sprach von einem "Desaster". Der offizielle Bericht der 120-köpfigen Mission soll am heutigen Montag veröffentlicht werden. Die angolanische Wahlkommission räumte "logistische Mängel" ein und verlängerte die Wahl: Mehr als 300 Wahllokale in Luanda öffneten auch am Samstag.
Angola erlebte einen der längsten Bürgerkriege Afrikas. Nun wählen die Menschen erstmals wieder eine Regierung. Zwei Drittel von ihnen müssen mit weniger als zwei Dollar am Tag leben - Ölmilliarden zum Trotz. Das reichste arme Land der Welt wählt - eine Reportage von Johannes Dieterich.
Trotzdem legte die oppositionelle Unita Widerspruch ein und will notfalls das Verfassungsgericht anrufen, um eine Wiederholung zu erzwingen. Unita-Chef Isaias Samakuva versicherte aber, seine Partei werde nicht zu Gewalt greifen. Vor 16 Jahren hatte die erste Wahl in dem seit 33 Jahren unabhängigen Staat in den Bürgerkrieg zurückgeführt, nachdem Unita-Gründer Jonas Savimbi den Sieg des Präsidenten José Eduardo dos Santos nicht anerkannt hatte.
Diesmal will die MPLA einen noch fulminanteren Triumph errungen haben: Nach Auszählen von knapp der Hälfte der Stimmen soll sie laut Kommission mehr als 81 Prozent erhalten haben, Unita müsse mit gut zehn Prozent vorlieb nehmen. Die Wahlbeteiligung sei "hoch" gewesen. Ein offizielles Ergebnis wird in etwa zehn Tagen erwartet.
MPLA-Sprecher Rui Falcao triumphierte aber schon jetzt: "Fraglich ist höchstens, ob wir die zu einer Zweidrittelmehrheit nötige Zahl erreichen werden." Dann könnte die MPLA die Verfassung ändern und Präsident dos Santos, der seit fast 30 Jahren regiert, weitere Amtszeiten ermöglichen.
Die vom Staatenbund im Südlichen Afrika SADC entsandte Beobachtermission gab bekannt, die Abstimmung sei "friedlich, frei, durchsichtig und glaubwürdig" verlaufen und gebe "den Willen des angolanischen Volkes" wider. Schon in Simbabwe hatten SADC-Beobachter mehreren von Robert Mugabes Regierungspartei manipulierten Wahlen ein einwandfreies Zeugnis ausgestellt.
Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl
Bleibt Barack Obama Präsident der USA? Oder macht Mitt Romney von den konkurrierenden Republikanern das Rennen?
US-Wahl-Spezial mit Analyse und Hintergrund
Interaktive Karte zu den Vorwahlen der Republikaner
Exklusive Reportagereise durch den Wahlkampf
Weblog der USA-Experten unserer Redaktion
Bombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.
Ihr Wunsch-Bundespräsident Wulff scheitert, sie muss Gauck als Nachfolger hinnehmen, ihre Mehrheit steht im Bundestag nicht mehr hinter ihr: Die Autorität von Bundeskanzlerin Merkel schwindet. Das Spezial.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.