Jerusalem. Nach israelischer Darstellung war ein Stoßtrupp der türkischen Hilfsorganisation IHH an Bord der von vorneherein auf gewalttätige Konfrontation aus. So steht es im Report des "Intelligence and Terrorism Information Center", das gute Kontakte zu israelischen Geheimdiensten pflegt. Quelle ist die Aussage eines Schiffsoffiziers.
Dagegen steht die Behauptung von "Free-Gaza-Aktivisten", man habe keinesfalls menschengefährdende Gewalt geplant, allenfalls eine Aktion zivilen Ungehorsams, wie man ihn von Protesten gegen Atomtransporte kenne.
Die meisten der über 500 Passagiere steigen in Antalya zu, nach Passieren einer Sicherheitsschleuse. 40 Aktivisten, die dem Kommando von IHH-Chef Bülent Yildirim stehen, sind laut "Intelligence-Report" da schon an Bord, eingeschleust vor dem Auslaufen der "Mavi Marmara" in Istanbul. Mittels Walkie-Talkies kontrollieren sie das Schiff. Auf das Oberdeck etwa dürfen Passagiere nur mit ihrer Erlaubnis. Dort habe die Truppe die Reling zersägt, um sich mit Schlagstangen einzudecken. Sonstige Waffen habe sie sich aus Schiffsbeständen besorgt: acht Äxte von Feuermeldern, Messer aus der Kombüse, sowie Schleudern aus Werkzeugteilen. 200 Gasmasken sowie hundert Keramikwesten soll die Hardcore-Truppe mitgebracht haben.
Als in der Nacht zum 31. Mai sich Schnellboote der israelischen Marine nähern, weist Kommandochef Yildirim seine Leute an, eine Menschenkette zu bilden und die Soldaten mit Stöcken abzuwehren. Der Höhepunkt der Kaperaktion fehlt: das Abseilen der Eliteeinheit aus Kampfhubschraubern, wobei drei Soldaten überwältigt werden, ebenso die Schüsse seitens der Israelis, die neun der Aktivisten töten.
Die "Free-Gaza-Kampagne" bestreitet, dass die Israelis in Notwehr handelten. Wenn einer den entwaffneten Soldaten etwas habe antun wollen, hat der Erste Hilfe leistende Arzt Hasan Huseyin Uysal ausgesagt, wäre es ein Leichtes gewesen. "Aber warum sie dann reinholen und behandeln? Das macht keinen Sinn." Der Frankfurter Arzt Matthias Jochheim hat einem Soldat den Puls gefühlt. "Sie waren hoch verängstigt, aber nicht schwer verletzt. Es wurde auf sie aufgepasst, keiner hat sie misshandelt. Alle waren viel zu beschäftigt, neue Verwundete zu versorgen." (geg)
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