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10. Oktober 2011

Anschläge auf die Bahn: Brandanschlag am Hauptbahnhof in Berlin vereitelt

 Von Peter Neumann und Katrin Bischoff
Ein LKA-Beamter trägt nach der Entdeckung mehrerer Brandsätze an Gleisen einer Tunneleinfahrt nahe dem Berliner Hauptbahnhof einen Papiersack vom Tatort am Montag (10.10.2011) weg. Die Bundespolizei sperrte den Tunnel für Ermittlungen ab. Die Bahn leitete Fern- und Regionalzüge um.  Foto: dpa

Kämpft die Bahn gegen eine Anschlagsserie? Am Berliner Hauptbahnhof vereitelt ein Mitarbeiter in letzter Minute ein Attentat. Zuvor wurden in Brandenburg auf freier Strecke Kabel in Brand gesetzt - der Fernverkehr zwischen der Hauptstadt und Hamburg ist behindert.

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Kämpft die Bahn gegen eine Anschlagsserie? Am Berliner Hauptbahnhof vereitelt ein Mitarbeiter in letzter Minute ein Attentat. Zuvor wurden in Brandenburg auf freier Strecke Kabel in Brand gesetzt - der Fernverkehr zwischen der Hauptstadt und Hamburg ist behindert.

Berlin –  

Im Berliner Hauptbahnhof ist am Montag offenbar in letzter Minute ein Brandanschlag verhindert worden. Ein Bahnmitarbeiter entdeckte gegen Mittag am nördlichen Ende des Tieftunnels mehrere verdächtige Gegenstände, wie ein Sprecher der Bundespolizei auf dapd-Anfrage sagte. Dabei habe es sich nach ersten Untersuchungen um Brandsätze gehandelt, die brennbare Flüssigkeiten enthalten. "Die verdächtigen Gegenstände wurden im Tunnel etwa 100 Meter vom Bahnhof entfernt gefunden", sagte Sven Drese, der Sprecher der Bundespolizei. Die Fundstelle wurde gesperrt.

Laut einem Bahnsprecher ist der gesamte Nord-Süd-Verkehr beeinträchtigt, Fahrgäste müssten sich auf lange Wartezeiten und Umleitungen einstellen. Betroffen ist aus und nach Berlin der gesamte Nord-Süd-Verkehr in Richtung Hamburg und München, wie ein Bahnsprecher auf dapd-Anfrage sagte.

Schon in der Nacht Brandanschlag auf Bahn

Schon am Montagmorgen war es zu einem Brandanschlag auf die Deutsche Bahn (DB) gekommen. Fahrgäste müssen zwischen Berlin, Nauen und Hamburg voraussichtlich noch bis Mittwoch mit Zugausfällen und Verspätungen rechnen. ICE- sowie andere Fernzüge von und nach Hamburg werden über Stendal umgeleitet und kommen deshalb bis zu 60 Minuten später als im Fahrplan vorgesehen ans Ziel. Zwischen Falkensee und Nauen fahren überhaupt keine Züge mehr, Reisende müssen auf Busse umsteigen. Zu dem Anschlag haben sich inzwischen Linksextremisten bekannt.

Der Tatort liegt in einem einsamen Waldgebiet am Streckenkilometer 24,6 zwischen Finkenkrug und Brieselang (Landkreis Havelland).  Rund einen Kilometer vom Falkenseer Stadtteil Finkenkrug entfernt hatten Unbekannte in der Nacht zu Montag Betonplatten entfernt, mit denen die Kabelschächte beiderseits der Gleise abgedeckt sind, und Brandbeschleuniger auf den dort verlegten Leitungen verschüttet. Auf einer Seite kam es schließlich zur Entzündung und zu einem Brand. Dabei wurden die Kabel des Signal- und Sicherungssystems vollständig zerstört.

"Gegen 3,30 Uhr stellten die Fahrdienstleiter fest, dass die Signale auf diesem Abschnitt ausgefallen waren", sagte Burkhard Ahlert, Sprecher der DB. "Unsere Techniker fuhren umgehend dorthin. Sie nahmen zunächst an, dass Kabeldiebe Leitungen zerschnitten und gestohlen hatten."

Doch sie fanden vor Ort schnell heraus, dass jemand einen Brandanschlag verübt hatte. Die stark frequentierte Bahnlinie musste noch vor Beginn des morgendlichen Berufsverkehrs gesperrt werden. Tausende von Pendlern aus dem Havelland nordwestlich von Berlin kamen zu spät. Aber auch im ICE-Verkehr nach Hamburg, der morgens von vielen Geschäftsreisenden genutzt wird, kam es wegen der Umleitung über Stendal zu gravierenden Störungen.

Bekennerschreiben von Linksextremen auftaucht

"Wir haben diese Metropole in einem bescheidenen Umfang in den Pausenmodus umgeschaltet", heißt es in einem Schreiben, in dem sich um kurz nach 8 Uhr auf der Internetseite „linksunten.indymedia.org“ eine Gruppe namens „Das Hekla-Empfangskomitee – Initiative für mehr gesellschaftliche Eruptionen“ zu mehreren Brandanschlägen auf die Bahn bekannte. „Sabotagehandlungen an mehreren Kabelschächten der Bahn zwingen die Hauptstadt Berlin in den Pausenmodus. Dazu haben wir Brandbeschleuniger und elektronische Zeitgeber verwendet.“ Auch von unpünktlichen S-Bahnen ist in dem Schreiben die Rede. Allerdings blieb unklar, ob und wo es am Montag sonst noch zu Brandstiftungen gekommen war. Der DB war nach eigenen Angaben nur der Anschlag bei Finkenkrug bekannt. Andere Störungen seien nicht gemeldet worden, sagte der Sprecher.

Die Autoren des Schreibens begründen die Anschläge mit der seit zehn Jahren andauernden Präsenz der Bundeswehr in Afghanistan. „Seit 10 Jahren führt die Bundeswehr Krieg in Afghanistan – ohne Zustimmung der Bevölkerung. Anlass genug, dass heute nichts so richtig funktioniert. Wir sorgten heute Morgen für eine Entschleunigung der Hauptstadt als Global Player des Rüstungsexports.“

Die Benennung der Gruppe nach dem 1491 Meter hohen Vulkan Hekla, der im Südwesten Islands liegt und offenbar vor einem neuerlichen Ausbruch steht, soll offenbar an den Brandanschlag auf eine Kabeltrasse am Berliner Bahnhof Ostkreuz erinnern, der am 23. Mai 2011 große Teile des S-Bahn-Verkehrs und Teile des Telefonnetzes lahmgelegt hatte. Das Bekennerschreiben zu dieser Tat war mit „Das Grollen des Eyjafjallajökull“ unterschrieben– nach dem Vulkan, dessen Aschewolke zu Störungen des Flugverkehrs geführt hatte.

Bahn verurteilt Brandanschläge

Die Bahn hat die Attacken auf ihre Anlagen scharf verurteilt. Der Leiter der Konzernsicherheit des Unternehmens, Gerd Neubeck, am Montag: „Unsere Kunden sollen nach den Bekennerschreiben für den Afghanistaneinsatz der Bundeswehr herhalten“. Das sei absolut verantwortungslos. Bei einem Streckennetz von 34.000 Kilometern Länge sei eine flächendeckende Überwachung schlicht unmöglich, fügte Neubeck hinzu. Die Bahn sei bei der Bekämpfung extremistischer Gewalt zwingend auf die staatlichen Ermittlungsbehörden angewiesen. Als Reaktion auf den Brandanschlag im Frühjahr dieses Jahres in Berlin hatte die Bahn eigenen Angaben zufolge die kritischen Infrastrukturschwerpunkte überprüft und geeignete Maßnahmen ergriffen. (mit dapd)

 

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