Der Konvoi des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad ist nach Angaben aus seinem Büro Ziel eines Anschlags geworden: Auf die Autokolonne sei bei einem Besuch der westiranischen Provinz Hamedan am Mittwoch ein selbst gebauter Sprengsatz geworfen worden, sagte ein Vertreter des Präsidialamts der Nachrichtenagentur Reuters. Ahmadinedschad sei nichts passiert, andere Menschen seien jedoch verletzt worden.
Allerdings lösten widersprüchliche Angaben von offizieller Seite gestern zunächst völlige Verwirrung aus. Den ersten Berichten folgte eine Bestätigung durch das Präsidentenamt, doch bald darauf ein Dementi, das Ahmadinedschad selbst einige Stunden später bekräftigte. Es habe sich lediglich um einen Feuerwerkskörper gehandelt, hieß es zwischenzeitlich.
Als erstes hatte die Ahmadinedschad nahe stehende Website „Khabaronline“ die Nachricht von einem versuchten Attentat auf den Präsidenten verbreitet. Demnach sei zudem der Attentäter festgenommen worden.
Ungeachtet der offiziellen Dementi veröffentlichte auch „Raja news“, eine Website erzkonservativer Parlamentarier, die in der Vergangenheit Ahmadinedschad sowohl kritisiert als auch unterstützt hatte, weiterhin die Meldung über den Attentatsversuch.
Wachsende Spannungen
Iraner glauben offiziellen Erklärungen des Regimes schon lange nicht mehr, insbesondere wenn es sich um angebliche Komplotte gegen die herrschenden „Gottesmänner“ handelt. So hatte eine Behauptung Ahmadinedschads, die Amerikaner hätten bei seinem Besuch im Irak im Vorjahr versucht, ihn zu entführen, weithin ironische Reaktionen ausgelöst.
Andererseits ist bekannt, dass der Präsident intensiv die Provinzen bereist, um dort unter dem einfachen Volk um Anhänger zu werben. Dabei misst er seiner persönlichen Sicherheit nur geringe Bedeutung bei, um besser direkten Kontakt mit der Bevölkerung zu pflegen.
In einigen Landesteilen könnte sich das trotz massiver Repressionen als äußerst gefährlich erweisen: etwa im nordwestlich gelegenen Kurdistan, im südwestlichen Khusistan, das eine zutiefst unzufriedene arabische Minderheit bewohnt, und vor allem im südöstlichen Rebellengebiet von Sistan-Belutschistan. Das gilt jedoch nicht für die stabile, erzkonservativ Region um Hamedan, das der Präsident zuletzt besuchte.
Der Zwischenfall wirft jedoch ein Schlaglicht auf die wachsenden Spannungen innerhalb der Führung. Ahmadinedschad gerät immer stärker unter Druck, nicht nur aus der Bevölkerung. Wochenlange Proteste der mächtigen Bazar-Händler gegen Steuererhöhungen (siehe Text unten) setzten dem Präsidenten enorm zu.
Zudem haben sich die pragmatischen Konservativen im Regime unter Führung von Parlamentspräsident Ali Laridschani zu einer Front gegen den Präsidenten zusammen geschlossen. Ihre Hauptwaffe ist die katastrophale Wirtschaftslage, die die neue UN-Sanktionsrunde weiter dramatisch verschärfen wird. ( mit rtr)
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
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