Der Anschlag ereignete sich nach Darstellung des italienischen Verteidigungsministers Ignazio La Russa um 12.10 Uhr auf der Straße zum Flughafen in Kabul. Ein Selbstmordattentäter hatte einen mit Sprengstoff beladenen Personenwagen in einen Konvoi der italienischen Isaf-Truppe gesteuert und zur Explosion gebracht. Dabei wurden zwei gepanzerte Fahrzeuge zerstört. Zur Tat bekannten sich die radikal-islamischen Taliban. Es handelt sich um das folgenschwerste Attentat gegen italienische Ausland-Truppen seit dem Anschlag gegen eine Carabinieri-Kaserne im südirakischen Nasiriyah im November 2003, bei dem 19 Italiener den Tod fanden.
Beim Eintreffen der Nachricht hat das Parlament in Rom umgehend seine Beratungen unterbrochen, um in einer Schweigeminute der Opfer zu gedenken. Silvio Berlusconi erklärte in einer Note, dass er und die ganze Regierung das Leid der Familien der Opfer teilten; gleichzeitig drückte er "allen Einheiten der italienischen Mission in Afghanistan, die sich für den Aufbau von Demokratie und Frieden in diesem unglücklichen Land einsetzen", seine Solidarität aus. Das italienische Afghanistan-Kontingent, das zu einem großen Teil im westlichen Teil des Landes in Herat stationiert ist, umfasst knapp 2800 Soldaten.
Seit den Diskussionen um die Verlängerung des Afghanistan- Einsatzes unter der Mitte-Links-Regierung von Romano Prodi, die im Februar 2007 zu einer Regierungskrise geführt hatten, war es in Rom um die Soldaten am Hindukusch eher ruhig geworden. Dies änderte sich am Donnerstag schlagartig. Mit dem blutigen Anschlag ist beiden politischen Lagern wieder bewusst geworden, dass die Truppen in Afghanistan nicht nur Schulen bauen und Brunnen graben, wie man das sich selber und den Wählern gerne einredet, sondern auch hohen Risiken ausgesetzt sind.
Zwar bekräftigte Außenminister Frattini am Nachmittag, dass Italien in Afghanistan seine Verpflichtungen einhalten werde. Gleich von mehreren politischen Parteien ertönte indes der Ruf nach einer "Exit-Strategie", wobei sich das Mitte-Links-Lager einmal mehr schwer tun dürfte, sich auf eine gemeinsame Linie zu verständigen. Während der moderate Teil des Partito Democratico sich gestern darauf beschränkte, sich mit den Soldaten zu solidarisieren und den Anschlag zu verurteilen, forderte die Partei des früheren Korruptions-Staatsanwalt Antonio Di Pietro, dass sich die Regierung umgehend auf Nato-Ebene für den Plan eines geordneten Rückzugs einsetzen solle.
Die Forderung nach einer Exit-Strategie war zwar auch im Regierungslager von einzelnen Exponenten der fremdenfeindlichen Lega Nord zu vernehmen, doch sind diese Stimmen in der Mitte-Rechts-Koalition klar in der Minderheit. Insgesamt dürfte der angeschlagene Ministerpräsident Silvio Berlusconi von dem Anschlag eher profitieren: In Zeiten der Not und der Trauer scharen sich die Italiener jeweils um den Regierungschef. Der italienische Journalistenverband hat bereits die für kommenden Samstag in Rom geplante Großdemonstration zum Schutz der Pressefreiheit abgesagt - aus Pietät gegenüber den getöteten Soldaten.
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