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Anstich auf dem Nockherberg: KZ-Vergleich überschattet Fastenpredigt

Beim traditionellen Starkbieranstich auf dem Nockherberg ist Redner Michael Lerchenberg mit einem Auschwitz-Vergleich über FDP-Chef Guido Westerwelle hergezogen. Politiker reagieren empört.

Starkbieranstich auf dem Nockherberg: der Schauspieler Michael Lerchenberg in seiner Rolle als Bruder Barnabas
Starkbieranstich auf dem Nockherberg: der Schauspieler Michael Lerchenberg in seiner Rolle als Bruder Barnabas
Foto: ddp

München. Da blieb der versammelten Politprominenz auf dem Münchner Nockherberg das Lachen im Halse stecken. Wie der Fastenredner Michael Lerchenberg über FDP-Chef Guido Westerwelle herzog, das ging doch über das augenzwinkernde "Derblecken" hinaus. Der Vizekanzler drehe mit seiner Kritik an "Hartz-IV"-Empfängern "jetzt völlig durch" und schwinge "seine sozialpolitische Abrissbirne", geißelte Lerchenberg am Mittwochabend in seiner Rolle als Paulaner-Mönch Barnabas.

In der satirischen Rede fabulierte Lerchenberg, Westerwelle wolle nun alle "Hartz-IV"-Empfänger bei Wasser und Brot in einem Lager in Ostdeutschland sammeln - "drumrum ein Stacheldraht, das haben wir schon mal gehabt". Und über dem Eingang, "bewacht von jungliberalen Ichlingen im Gelbhemd steht in eisernen Lettern: Leistung muss sich wieder lohnen". Beobachter sahen darin eine Anspielung auf den menschenverachtenden Spruch "Arbeit macht frei" am Tor des Konzentrationslagers Auschwitz.

Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) sagte später, man müsse sich "sehr hüten, was solche Anleihen an die Geschichte angeht. Da geht manches sehr schnell daneben." Der Vize-Ministerpräsident riet dazu, zu "überlegen, wo die Grenzen des guten Geschmacks überschritten werden". Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) stellte Lerchenberg sogar zur Rede und erklärte ihm, es gebe "Bereiche, über die kann man keine Scherze machen". Lerchenberg verteidigte sich damit, dass die Politik ihm den Stoff geliefert habe.

Nach Ansicht der Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, waren diese Äußerungen "nicht bedacht" und "unter der Gürtellinie". Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) sagte, es sei eine "ernste, zornige Rede" gewesen. Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer betonte, er habe einige Stellen als "schwierig" und "grenzwertig" empfunden. Allerdings sei er selbst "barmherzig" behandelt worden: "Ich fand die Geschichten über mich toll."

Barnabas warf Seehofer unter anderem vor, die Menschen mit der Illusion eines ausgeglichenen Haushalts zu täuschen, während gleichzeitig die Schulden stiegen. Die CSU leide unter ihren ständigen Personalquerelen: "Ihr führt's seit drei Jahren ein immerwährendes Passionsspiel auf, mit wechselnden Christusdarstellern, die in Kreuth ans Kreuz geschlagen werden." Die Umfragewerte des bayerischen SPD-Vorsitzenden Florian Pronold seien schlecht, weil praktisch niemand ihn kenne, die von Seehofer hingegen seien schlecht, weil man ihn kenne, sagte Barnabas unter Applaus und Gelächter der Gäste.

Die Bayerische Landesbank mit ihren Milliardenverlusten war eines der Hauptthemen der Rede. Barnabas zitierte zur großen Überraschung seiner Zuhörer Lenin, der gesagt habe: "Um die bürgerliche Gesellschaft zu zerstören, muss man ihr Geldwesen verwüsten. Ich hab gar nicht g'wusst, dass so viele rote Wölfe sich unter dem schwarzen Schafspelz der CSU verbergen." Besonders enttäuscht zeigte sich der Fastenprediger von Bayerns Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU), der vor einem Jahr als ehrlicher Rechenkünstler ins Ministerium eingezogen sei "und inzwischen haben Sie sich auch schon den 'Lügenvirus' Ihrer Amtsvorgänger eingefangen".

Den CSU-Politikern, die 2007 dem Kauf der maroden österreichischen Bank Hypo Group Alpe Adria (HGAA) zustimmten, warf Barnabas vor, Bayern blamiert zu haben: "Ihr habt uns zu bankpolitischen Ostfriesen gemacht." Die Grünen-Bundesvorsitzende Claudia Roth sagte nach der Fastenpredigt triumphierend: "Manche Gesichter sind ganz schön versteinert." Es sei eine "sehr politische" Rede gewesen. Und auch der frühere Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) stellte fest: "Es war nicht so übersprudelnd, mit einer Pointe nach der anderen."

Ihm hatte Barnabas im Zusammenhang mit dem HGAA-Debakel zugerufen: "Haben's geglaubt: wenn Sie dem zwielichtigen Waffen-SS-Freunderl Haider sein bessarabisches Landesbankerl abkaufen, dann wird aus der Bayern LB ein Global Player? Oh mei!" Ganz aktuell baute Lerchenberg auch noch die Missbrauchsfälle an katholischen Klosterschulen in seine Rede ein. Er schimpfte über geistliche Päderasten und die Schuldzuweisungen des Augsburger Bischofs Walter Mixa an die zügellose Gesellschaft: "Oh Schifflein Petri, von wie vielen Nieten wirst Du zusammengehalten?" (ddp)

Datum:  4 | 3 | 2010
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