Politik
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19. Dezember 2010

Anti-Islamistenkongress: Hetzer unter sich

 Von Stefan Brändle
Der Schweizer Abgeordnete Oskar Freysinger. Foto: AFP

In Paris trafen sich Anti-Islamisten aus Europa – mit dabei war auch der Berliner Abgeordnete René Stadtkewitz von der neuen Partei "Die Freiheit". Der Star der Zusammenkunft stammt aber aus der Schweiz.

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Paris –  

Der Star des vom französischen „Bloc identitaire“ organisierten Treffens war Oskar Freysinger von der Schweizerischen Volkspartei (SVP). Die Zuhörer der „Internationalen Tagung zur Islamisierung unserer Länder“ empfingen den Eidgenossen mit stürmischem Applaus. Zu verdanken hatte er ihn offenbar seiner Führungsrolle in der Schweizer Volksinitiative gegen Minarette. Einzelne Vorredner lobten das Minarett-Verbot als Modell für den „Volkswiderstand gegen die Islamisierung Europas“.

Freysinger warnte vor der „demografischen, soziologischen und psychologischen Islamisierung Europas“ und „dem Tag, an dem sie explodieren wird“. Vor ihm hatte der aus der CDU ausgeschlossene Berliner „Abgeordnete René Stadtkewitz, Mitbegründer der Partei „Die Freiheit“, prophezeit, dass die Europäer bald durch die „von Islamisten gesteuerten Islam-Organisationen“ von ihrem eigenen Boden vertrieben würden. Und der Belgier Aldo Mungo setzte noch eins drauf: „Wir lassen uns nicht die Stammesgesetze von Beduinen des 7. Jahrhunderts aufzwingen!“

Frenetischer Applaus ertönte daraufhin im Tagungszentrum Espace Charenton, dessen 700 Sitzplätze dem Besucherandrang nicht genügt hatten. Draußen, auf Distanz gehalten, demonstrierten im Schneetreiben rund 200 Gegner mit Spruchbändern wie „Faschisten raus aus dem Viertel!“ oder „Zusammen gegen die Islamophobie“. Verschiedene Gruppierungen und linke Parteien hatten zu den friedlichen Protesten aufgerufen.

Der Schweizer Freysinger tritt mit Sicherheitsweste auf und poltert gegen Muslime

Der sozialistische Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë hatte die Polizei ersucht, das Treffen der europäischen Konservativen und Rechtsextremen zu verbieten. Der konservative Innenminister Brice Hortefeux tolerierte die Tagung schließlich unter starker Polizeikontrolle. Der mit einer kugelsicheren Weste angetretene Freysinger scherzte in seiner Rede, die Schläger aus der Banlieue könnten ja die Tagung besuchen, wenn sie einen warmen Ort suchten.

In der Mittagspause servierten die Organisatoren ebenso humorvoll Rotwein und Wurst aus Schweinefleisch – symbolisch ausgesuchte Lebensmittel, die vom Koran untersagt sind.

Die Proteste blieben indes friedlich und beschränkten sich in der Folge auf Internet-Appelle gegen die Verwechslung von Laizismus und Rassismus. Das war auf die ehemals linke Vereinigung „Riposte Laïque“ gemünzt, die an der Anti-Islamisten-Tagung teilnahm. Dabei waren auch Vertreterinnen der feministischen „Frauenliga“ Frankreichs.

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