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Anti-Obama-Country: "Bubba will Jobs"

Ein Jahr nach Obamas historischem Sieg gelten in den USA die Gouverneurswahlen als erster Stimmungstest. Die Wahlkämpfer meiden den Namen Obama und versuchen, unabhängig zu scheinen. Von Dietmar Ostermann

Der Präsident unterstützt den Wahlkampf des Demokraten Creigh Deeds - aber die Wahlkämpfer vor Ort verzichten lieber auf den prominenten Namen Obamas - das Yes, we can-Gefühl ist verflogen.
Der Präsident unterstützt den Wahlkampf des Demokraten Creigh Deeds - aber die Wahlkämpfer vor Ort verzichten lieber auf den prominenten Namen Obamas - das "Yes, we can"-Gefühl ist verflogen.
Foto: getty

Dave Saunders lehnt über süßem Eistee und zählt gallig all die Gründe auf, warum dieser Zipfel Amerikas nur ein Jahr nach Barack Obamas großem Triumph feindliches Anti-Obama-Country ist: die falschen Prioritäten in Washington, die vielen Schulden, die Milliardenhilfen für Banken und Bonzen. "Bubba hat mehr Angst davor zu hungern, als keine Krankenversicherung zu haben", schimpft Saunders: "Bubba will Jobs - und die Regierung streitet über eine Gesundheitsreform!"

Hier in Roanoke, einer Stadt im Südwesten Virginias, ist Saunders eine Legende. Als Politberater hat der Mann, den alle nur "Mudcat" nennen, für Virginias Demokraten in der Republikaner-Hochburg der Appalachen immer wieder erfolgreich Wahlkämpfe organisiert.

Die Stadt Roanoke in Virginia.
Die Stadt Roanoke in Virginia.
Foto: wiki commons

Weil er selbst liberalen Großstädtern erklären konnte, wie "Bubba", der Junge vom Land, tickt. Vor einem Jahr, an jenem historischen 4. November 2008, gewann auch Barack Obama den Südstaat Virginia - als erster Demokrat bei einer Präsidentschaftswahl seit 1964.

Ein Jahr darauf aber droht ein Achtungserfolg der Opposition: Bei Virginias Gouverneurswahl am Dienstag ist der Republikaner Bob McDonnell klarer Favorit. Verliert der blasse Demokrat Creigh Deeds, wäre das auch eine Schlappe für den Präsidenten. Denn acht Jahre lang stellte in Virginia die Obama-Partei den Gouverneur.

Auch in New Jersey hoffen die Republikaner, den demokratischen Gouverneur Jon Corzine zu stürzen.

Wie die Wahl im konservativen Südwestzipfel Virginias ausgeht, darüber macht sich Dave Saunders keine Illusionen. "Die Leute sind enttäuscht", sagt er. Die Erwartungen, die Amerika an Barack Obama hatte, seien einfach zu hoch gewesen.

"Der historische Moment ist vorbei", trauert auch Kyle Layman der Aufbruchstimmung vom Vorjahr hinterher. Der 27-Jährige mit dem flaumigen Kinnbart erlebt den Umschwung in Roanoke als Wahlkampfchef der demokratischen Stadträtin Gwen Mason hautnah.

"Hope" und "Change" waren mal. Als Demokrat, sagt er, müsse man jetzt "so schnell und so weit wie möglich vom nationalen Image weglaufen". Im Wahlkampf vermeidet Layman den Namen Obama: "Das Beste ist, Du präsentierst Dich als unabhängig und sprichst viel über Arbeitsplätze."

"Obama führt Richtung Sozialismus"

Das freilich haben auch die Republikaner erkannt. Ihr Kandidat McDonnell preist sich angesichts einer noch immer steigenden Arbeitslosigkeit als "Job-Gouverneur" an. "Bob’s for Jobs" steht auf seinen Plakaten. Ein Jahr nach der für sie bitteren Niederlage ist Trixie Averill, Republikaner-Chefin in Roanoke, bester Laune: "Diesmal ist unsere Partei enorm mobilisiert", frohlockt sie, "Virginia bereut, Obama gewählt zu haben."

Im Gouverneursrennen wird der Präsident bei den Konservativen zur Karikatur und Vogelscheuche: "Wir kämpfen um unser Leben, unsere Freiheit", flötet Averill die platten Parolen, "Obama führt das Land Richtung Sozialismus!"

Der Vorwurf ist so schrill wie wirkungsvoll - zumindest hier im republikanischen Stammland. "Faschistisch" sei die Regierung, stöhnt auch Joe Farmer, ein junger Unternehmer und eigentlich ein überaus freundlicher Mann, aber eben auch ein Anhänger der reinen republikanischen Lehre: "Wir haben alle paar Jahre eine Rezession. Würde man den Markt arbeiten lassen, würde der Kapitalismus das allein lösen. Der Staat macht die Krise nur schlimmer."

"Solche Mythen, Lügen und Legenden hören die Leute von früh bis spät im Talkradio", klagt Tommy Jordan, ein Demokrat und alter Gewerkschafter von der Eisenbahngesellschaft Norfolk Southern: "Niemand kämpft zurück!"

Vor allem Junge und Schwarze, denen Obama seinen Sieg in Virginia maßgeblich verdankte, dürften bei der Gouverneurswahl zu Hause bleiben. Christy Mason etwa hat den Präsidenten gewählt und hält zu Obama: "Die Leute haben einfach keine Geduld, Wandel braucht Zeit." Auch Mason aber hat jetzt andere Sorgen: Vier Jahre hat sie Biologie studiert, 25.000 Dollar Schulden angehäuft, vergeblich 30 Bewerbungen geschrieben. Weil sie keinen Job findet, kellnert die 24-Jährige in Roanoke in einer Kneipe.

Autor:  Dietmar Ostermann
Datum:  2 | 11 | 2009
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