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05. Juli 2012

Anti-Putin-Band Russland: Pussy Riot im Hungerstreik

Der Fall polarisiert Russland: Mehr als hundert namhafte russische Künstler fordern die Freilassung der Musikerinnen.  Foto: dpa

Drei Mitglieder der Anti-Putin-Band Pussy Riot treten in den Hungerstreik. Die inhaftierten Musikerinnen protestieren gegen einen umstrittenen Gerichtsentscheid.

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Drei Mitglieder der Anti-Putin-Band Pussy Riot treten in den Hungerstreik. Die inhaftierten Musikerinnen protestieren gegen einen umstrittenen Gerichtsentscheid.

Drei Mitglieder der russischen Punk-Band Pussy Riot, die nach dem Singen Putin-kritischer Lieder inhaftiert wurden, sind in den Hungerstreik getreten. Sie protestierten damit gegen die Entscheidung eines Gerichts, ihnen nur fünf Tage Zeit für die Vorbereitung ihres Prozesses zu geben, wie eine der jungen Frauen, Nadeschda Tolokonnikowa, am Mittwoch sagte. Auch die Anwälte der Musikerinnen kritisierten die Entscheidung scharf.

Tolokonnikowa sagte bei einer Voranhörung im Gericht des Moskauer Taganski-Bezirks, der Beschluss, der Verteidigung bei einer so umfangreichen Prozessakte nur fünf Tage Vorbereitungszeit einzuräumen, sei „gesetzeswidrig“. Dem Gericht gehe es nur darum, die Verhandlung wegen der großen öffentlichen Unterstützung für die Angeklagten zu beschleunigen, sagte die Musikerin, die bei der Anhörung ein T-Shirt mit dem spanischen Protest-Slogan „No pasarán“ (sie werden nicht durchkommen) trug. Ihre ebenfalls angeklagten Bandkolleginnen Jekaterina Samuzewitsch und Maria Alechina schlossen sich dem Hungerstreik an.

Zuvor hatte der Vorsitzende des Tribunals erklärt, fünf Tage seien „ausreichend, um die Dokumente zu lesen“. Anwalt Mark Feigin sagte, die Prozessunterlagen umfassten mehr als 2800 Seiten, elektronische Beweise nicht eingerechnet. Deshalb hatte die Verteidigung ursprünglich gefordert, dass der Prozess nicht vor dem 1. September beginnen solle. Feigins Kollege Nikolai Polosow sprach von einer „Rückkehr zu den Stalin-Prozessen“.

Den drei Frauen, von denen zwei Kinder haben, wird „organisiertes Rowdytum“ vorgeworfen, wofür eine Strafe von bis zu sieben Jahren Haft vorgesehen ist. Die Gruppe hatte zwei Wochen vor der Präsidentschaftswahl für Aufsehen gesorgt, als sie auf dem Altar der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale, der wichtigsten russisch-orthodoxen Kirche, ein „Punk-Gebet“ sprachen, um die engen Beziehungen der Orthodoxen Kirche zum damaligen Ministerpräsidenten Wladimir Putin anzuprangern. In einem Lied forderten sie die Amtsenthebung Putins, der inzwischen wieder russischer Präsident ist.

Der Fall der Band Pussy Riot polarisiert im teilweise sehr religiösen Russland. Mehr als hundert namhafte russische Künstler, darunter auch Putin-Anhänger, hatten Ende Juni in einem Protestbrief die Freilassung der Musikerinnen verlangt. Vor dem Justizgebäude kam am es Mittwoch wie bereits bei früheren Verhandlungen zu Ausschreitungen. Wie ein AFP-Reporter berichtete, wurde etwa ein Dutzend Unterstützer der Bandmitglieder festgenommen.

Anfang Juli spielten Pussy Riot, die sich aus rund 20 Musikern zusammensetzen, als Vorgruppe von Faith No More in Moskau. Mike Patton unterstützte die vermummten Bandmitglieder, indem er selbst mit Kopfbedeckung auftrat (Video). (afp)

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