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29. August 2012

Antisemitismus in Berlin: Jugendliche verprügeln Rabbiner

 Von Andreas Kopietz
Seine Kippa wurde dem Opfer zum Verhängnis. Foto: dpa

Mitten in Berlin beleidigen Jugendliche einen Rabbiner und schlagen auf ihn ein. Der kleinen Tochter des Mannes drohen die Täter mit dem Tod. Die offenbar antisemitisch motivierte Tat löst Entsetzen aus.

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Berlin –  

"Bist du Jude?" musste sich Rabbi Daniel A. plötzlich anhören, als er am Dienstagabend mit seiner kleinen Tochter über die Beckerstraße in Schöneberg-Süd lief.

Es war gegen 18.20 Uhr, als dem 53-Jährigen ein junger Mann, der ihn überholt hatte, den Weg versperrte. Auf einmal standen noch drei weitere junge Männer hinter ihm und seiner Tochter. Daniel A. war schon früher auf offener Straße als „Drecksjude“ angepöbelt worden und trug daher ein Basecap über seiner Kippa, der traditionellen jüdischen Kopfbedeckung. Die Täter erkannten die Kippa, deren Rand unter der Mütze hervor guckte, dennoch. Nach Angaben der Polizei waren es Jugendliche arabischer Herkunft.

Als Daniel A. die Frage, ob er Jude sei, bejahte, schlug der Jugendliche vor ihm unvermittelt mehrmals zu. Die Schläge habe er noch einigermaßen abwehren können, heißt es bei der Polizei. Doch auch einer der hinter ihm Stehenden schlug zu und verletzte ihn an der Schläfe. Es folgten Beleidigungen gegen seine Mutter und seinen Glauben – Worte, die so obszön sind, dass sie hier nicht gedruckt werden können. Die sechsjährige Tochter wurde mit dem Tod bedroht. Dann flüchteten die Jugendlichen in Richtung Rubensstraße.

Im Krankenhaus operiert

Der 53-Jährige wurde mit einem komplizierten Jochbeinbruch in ein Krankenhaus gebracht, wo er stationär aufgenommen wurde. Die Ärzte operierten ihn am Mittwochabend. Der polizeiliche Staatsschutz im Landeskriminalamt, der politisch motivierte Straftaten aufklären soll, übernahm die Ermittlungen.

Daniel A. ist einer der ersten Rabbiner, die nach dem Holocaust in Deutschland ordiniert wurden. Er war als Religionslehrer an einer jüdischen Schule tätig und engagiert sich seit Jahren für den interreligiösen Dialog mit Muslimen und Christen.

„Wir sind sehr betroffen über die Gewalttat und hoffen, dass die Staatsanwaltschaft die Täter schnell ermittelt und vor Gericht stellt“, sagt Lala Süsskind vom Jüdischen Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus. Ihr Sprecher Levi Salomon sagte der Berliner Zeitung, er rate schon seit Längerem allen seinen Freunden, die Zeichen ihrer jüdischen Religionszugehörigkeit nicht in der Öffentlichkeit zu zeigen. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass man zumindest angepöbelt wird.“

Arabische Antisemiten

Es ist nicht der erste Vorfall dieser Art. Vor einiger Zeit schlugen arabischstämmige Jugendliche an der Fasanenstraße in Charlottenburg orthodoxe Juden zusammen. Bereits vor zwei Jahren hatte die Jüdische Gemeinde auf einen gestiegenen Antisemitismus besonders unter jungen Türken und Arabern hingewiesen. Und die Amadeu-Antonio-Stiftung bezeichnete Antisemitismus in „großen urbanen Wohnquartieren mit überwiegend muslimischer Wohnbevölkerung“ als ein ernstes Problem.

Gleichwohl rät die Berliner Polizei niemandem davon ab, Glaubenssymbole in der Öffentlichkeit zu tragen. „Das ist ein Grundrecht und gilt für alle Religionen“, sagte Polizeisprecher Stefan Redlich. Zum Glück seien solche Gewalttaten selten.

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