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Politik
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29. August 2013

Antisemitismus: Polen kultiviert den Judenhass

 Von Eva Krafczyk
Beschmiertes Pogrom-Mahnmal in Jedwabne.  Foto: REUTERS

In Internetforen und in der Presse breitet sich der Antisemitismus in Polen machtvoll aus. Dabei galt er eigentlich bereits als überwunden.

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WARSCHAU –  

Der offene Brief von Mitarbeitern der Niederschlesischen Hochschule in Wroclaw (das frühere Breslau) gleicht einem Aufschrei: „Sehen und hören die anständigen Menschen in Polen, was sich Tag für Tag abspielt? Verstehen sie den Ernst der Lage? Hier sterben vor unseren Augen Demokratie und Freiheit, und die nackte Gewalt triumphiert!“

Das vor wenigen Tagen veröffentlichte Schreiben ist die Reaktion auf den Wunsch des bekannten Soziologen und Philosophen Zygmunt Bauman, auf die Ehrendoktorwürde der privaten Universität zu verzichten. Bauman wollte der Breslauer Hochschule Tumulte bei der für Oktober geplanten Zeremonie ersparen. Denn zuvor war er wochenlang antisemitischen und antikommunistischen Beschimpfungen im Internet ausgesetzt. Nur eine der immer zahlreicheren und lauteren Kampagnen von Gruppen, die sich im ständigen Kampf gegen alles sehen, was nicht polnisch, katholisch und national ist.

Der angesehene Wissenschaftler war seinerzeit als 19-Jähriger der Kommunistischen Partei beigetreten. 1968 brach er nach einer Welle antisemitischen Hasses in seiner polnischen Heimat mit dem Kommunismus. In rechtskonservativen Internetforen wurde sein jetziges Rückzugsangebot als „Sieg der patriotischen Kräfte“ gefeiert.

Die Ehre der Frauen

In den gleichen Foren und Nachrichtenportalen wurde die nun schon international berüchtigte Prügel-Attacke polnischer Hooligans auf mexikanische Seeleute als „Lüge der Mainstream-Medien“ verharmlost. Die Polen hätten nur die Ehre einheimischer Frauen verteidigt, die von den Lateinamerikanern am Strand der Hafenstadt Gdingen (Gdynia) belästigt worden seien, hieß es eilfertigst zur Rechtfertigung der gewalttätigen Fußballfans.

Diese Interpretation kann Witold Niesiolowski, Bezirksstaatsanwalt in Gdingen, nach Auswertung der Überwachungskameras kein bisschen nachvollziehen. „Die Fans jagen die Mexikaner, nicht umgekehrt“, beschreibt er das Gesehene. „Man muss weder Staatsanwalt noch Polizist sein, um zu sehen, wer der Angreifer ist.“ Augenzeugen berichteten zudem, die Mexikaner seien mit ausländerfeindlichen Parolen beschimpft worden.

Dass polnische Rechtsextremisten gerne Fußballfans rekrutieren, ist seit Jahren bekannt. Doch seit einiger Zeit scheint manche rechte Parole auch in konservativen Kreisen und Medien salonfähig zu werden. Die Begriffe „Gott, Ehre, Vaterland“ verbinden den rechten Rand der Gesellschaft mit Nationalkatholiken und stramm konservativen Publizisten.


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Ins Visier dieser Allianzen gerät selbst der ehemalige Außenminister Wladyslaw Bartoszewski, der vor wenigen Tagen im national-katholischen Blat „Nasz Dziennik“ attackiert wurde. „Bartoszewski hat als erster polnischer Politiker dieses Ranges die Deutschen wegen der Vertreibungen (nach 1945) um Verzeihung gebeten“, warf das Blatt dem ehemaligen Auschwitz-Häftling vor. Auch dass er öffentlich Antisemitismus in Polen kritisierte, wurde dem gläubigen Katholiken als Nestbeschmutzung ausgelegt.

„Budapest an der Weichsel“

Vorbilder sehen für Polens Rechtskonservative anders aus. In der jüngsten Ausgabe des Magazins „w Sieci“ wird sehnsüchtig nach Ungarn geblickt. „Wie lässt sich der Erfolg Orbans in Polen wiederholen?“ klingt in der Titelgeschichte die Hoffnung auf einen „starken Mann“ durch. Der nationalkonservative Oppositionsführer Jaroslaw Kaczynski hat sich bereits für ein „Budapest an der Weichsel“ ausgesprochen.

Die liberal-konservative Regierung von Donald Tusk befindet sich unterdessen im Umfragetief und würde derzeit von nur rund 25 Prozent der Wählerstimmen bekommen. (dpa)

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