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12. Dezember 2012

Apothekerverbände: Schrill, laut und wenig zimperlich

 Von Daniel Baumann
Das Apothekengeschäft ist finanziell längst nicht mehr so attraktiv wie noch vor einigen Jahren.  Foto: dpa

Das Apothekengeschäft ist finanziell längst nicht mehr so attraktiv wie noch vor einigen Jahren. Die Spionage trifft die Apotheker zu einem äußerst ungeeigneten Zeitpunkt.

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Das Apothekengeschäft ist finanziell längst nicht mehr so attraktiv wie noch vor einigen Jahren. Die Spionage trifft die Apotheker zu einem äußerst ungeeigneten Zeitpunkt.

Die Zahl der Apotheken in Deutschland sinkt - im Jahr 2012 um 300. 2011 um 203, 2010 um 107 und 2009 um 54. Das zeigen Zahlen der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA). Die Inhaber müssen schließen, weil sie finanziell nicht mehr über die Runden kommen oder keine Nachfolger finden, die die Geschäfte fortführen. Das Apothekengeschäft ist finanziell längst nicht mehr so attraktiv wie noch vor einigen Jahren.

Ermüdung bei Politikern

Die Spionage im Bundesgesundheitsministerium, mutmaßlich durch einen ehemaligen Mitarbeiter der Apothekerverbände, trifft die Apotheker nun zu einem äußerst ungeeigneten Zeitpunkt. Sie verhandeln derzeit mit den Krankenkassen über die Höhe eines Großkundenrabatts. Es wird hart gefeilscht, die Apotheker wollen auf so wenig Einnahmen verzichten wie möglich. Die schwierigen Gespräche sind in einer kritischen Phase angelangt. Doch die Krankenkassen sind weiterhin nicht geneigt, den Wünschen der Apotheken zu entsprechen. Diese fordern dringend Entlastungen, um ihre finanzielle Situation zu verbessern.

Nun fahren die Apotheken eine bundesweite Kampagne, um ihren Verhandlungspartner zum Einlenken zu bewegen. Sie läuft unter dem Motto: „Ausgenommen von den Krankenkassen“. In den vergangenen Wochen sollen damit laut ABDA rund vierzig Millionen Kunden erreicht worden sein.

Die Vorgehensweise ist typisch für die Apotheker: Schrill, laut und wenig zimperlich. Ob sie auch zielführend ist, steht dagegen auf einem anderen Blatt. Im politischen Betrieb haben die stets lautstarken Wortmeldungen der vergangenen Jahre inzwischen für eine gewisse Ermüdung gesorgt. Fast schon inflationär werden Überschriften wie „Pharmagroßhandel agiert maßlos – Apotheken sollen bluten“ oder „Raubbau an Apotheken sehen wir nicht tatenlos zu“ verwendet.

Immer wieder Zugeständnisse

Die Apotheker gelten deshalb als diejenige Interessengruppe, die selten mit neuen Ideen auffällt, ihre Pfründe verteidigt und stets am Jammern ist. Die Bereitschaft, ihnen zuzuhören ist deshalb merklich gesunken. „Die nerven“, heißt es immer wieder von Gesundheitspolitikern aller Couleur. Damit geht auch einher, dass die Bereitschaft, die Probleme der Apotheken zu lösen, sinkt – zumal wegen der stets lautstarken Wortmeldungen auch die Zweifel gewachsen sind, ob man die Klagen des Berufsstandes stets für bare Münze nehmen soll.

Trotzdem gibt es immer wieder Zugeständnisse. Mal wird auf einen neuen Passus in einem Gesetzesentwurf verzichtet oder an anderer Stelle eine Formulierung abgeschwächt. Aber eine Gesundheitspolitik, die die Pharmazeuten richtig glücklich macht, ist das nicht mehr.

Zum 1. Januar 2013 erhalten die Apotheken von der Politik eine Vergütungserhöhung von 25 Cent pro abgegebener Packung. Damit sieht die Bundesregierung die Kostensteigerungen ausreichend kompensiert. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände rechnet hingegen vor, dass das lediglich einer Erhöhung um drei Prozent für die letzten zehn Jahre entspreche. „Irgendwann ist der Bogen überspannt“, sagt ABDA-Vizepräsident Friedemann Schmidt.

Umso größer ist der Ärger an der Basis über den Spionageskandal. Einige Apotheker sehen darin eine unfassbare Dämlichkeit ihrer Standesvertreter, die ihre wirtschaftliche Überlebensfähigkeit gefährdet. Die anderen vermuten angesichts der schwierigen Beziehungen zur Bundesregierung sogar eine gezielte Kampagne gegen die Apothekerschaft.

Korrektur: Die Zahl der Apotheken sinke Jahre für Jahr um 300, schrieben wir im Text „Schrill, laut und wenig zimperlich“. Tatsächlich trifft dies nach vorläufigen Berechnungen nur für das Jahr 2012 zu. 2011 sank sie um 203, 2010 um 107 und 2009 um 54.

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