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Arabische Länder in Sorge: Furcht vor Flächenbrand

In den arabischen Hauptstädten hält man den Atem an. Denn die Kriegshandlungen Israels im Gazastreifen könnten sich zu einem Flächenbrand in der ganzen Region ausweiten

In den arabischen Hauptstädten hält man den Atem an. Denn die Kriegshandlungen Israels im Gazastreifen könnten sich zu einem Flächenbrand in der ganzen Region ausweiten. Noch halten sich die Proteste der jeweiligen Bevölkerung in Grenzen. Doch der innenpolitische Druck wächst, besonders auf die Regierungen von Ägypten und Jordanien, die Friedensverträge mit Israel haben.

In Jordanien verlangten 88 Abgeordnete, ihr Land solle die Beziehungen zu Israel "überdenken". Einer verbrannte gar eine israelische Flagge innerhalb des Parlamentsgebäudes. Selbst die Türkei ging am Montag demonstrativ auf Distanz. Ministerpräsident Recep Tayyib Erdogan bezeichnete die Luftangriffe als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" und kündigte an, sein Land werde die Friedensvermittlung zwischen Syrien und Israel einstellen. Die Stadtverwaltung von Istanbul strich aus Solidarität mit der Bevölkerung des Gazastreifens die offiziellen Neujahrsfeiern.

Israel führe einen Krieg gegen die Palästinenser, während es gleichzeitig mit Syrien über Frieden verhandele - das beides passe nicht zusammen, erklärte der türkische Außenminister Ali Babacan. Diese Politik sei eine große Enttäuschung für die Türkei. Die Führung in Ankara ist auch deshalb sehr verärgert, weil die Angriffe nur wenige Tage nach einem Staatsbesuch des israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert begannen. Dieser hatte in der türkischen Hauptstadt noch ausgiebig über Friedensmöglichkeiten im Nahen Osten diskutiert.

Ägypten ist in diesem Konflikt in einer besonderen Zwangslage, weil es neben Israel der einzige arabische Grenznachbar des Gazastreifens ist. Für die Regierung am Nil jedoch ist Hamas mitverantwortlich für die Eskalation. Die Beziehungen sind schon lange gereizt, nicht zuletzt weil die Hamas-Führung im November die Versöhnungsgespräche in Kairo mit Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas platzen ließ. Der ägyptische Außenminister Ahmed Abul Gheit hatte die Hamasführung noch vor acht Tagen eindringlich aufgefordert, die Waffenruhe zu erneuern - ohne Erfolg. Nun hält Ägypten trotz der anhaltenden Luftangriffe seine Grenze zum Gazastreifen geschlossen - was auf immer heftigere Kritik stößt.

Freiwillige für Palästina

Abgeordnete der ägyptischen Muslimbruderschaft zum Beispiel erklärten, die Öffnung der Grenze sei das Mindeste, was Ägypten nach den Angriffen des "zionistischen Feindes" tun müsse. Kairo solle alle diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Israel abbrechen, forderten sie.

Der Iran wiederum schickte ein Flugzeug mit Hilfsgütern nach Kairo, um so den Druck auf Präsident Hosni Mubarak zu erhöhen. Nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Fars hat eine Gruppe von islamischen Klerikern sogar damit begonnen, per Internet Freiwillige anzuwerben, die an der Seite der Palästinenser gegen Israel kämpfen sollen.

In Beirut rief Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah die ägyptische Bevölkerung auf, auf die Straße zu gehen und die Öffnung der Grenze zu erzwingen. Wenn Kairo weiter blockiere, müsse es als Mittäter bei der Tötung der Palästinenser betrachtet werden.

Autor:  MARTIN GEHLEN
Datum:  30 | 12 | 2008
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