Saif al-Islam, Muammar Gaddafis Lieblingssohn und einstiger designierter Nachfolger, bringt die junge Regierung des libyschen Nachbarstaates Niger in die Bredouille. Übereinstimmenden Berichten zufolge soll sich der 39-Jährige entweder bereits in dem westafrikanischen Staat befinden oder auf dem Weg dorthin sein. Würde er dort wie zuvor sein Bruder al-Saadi um Asyl ersuchen, stünde der seit März regierende Präsident Mahamadou Issoufou vor einem Dilemma.
Liefert er den vom Internationalen Strafgerichtshof in den Haag gesuchten Flüchtling aus – wie es das vom Niger unterzeichnete Römische Statut verlangt –, kann sich der Präsident des Zorns der Tuaregs sicher sein, die den Norden des Landes bevölkern und zu den loyalsten Freunden der Gaddafi-Familie gehören. Tuareg-Sprecher drohten für den Fall der Auslieferung eine Wiederaufnahme der Feindseligkeiten an, die den Niger seit Jahrzehnten destabilisieren. Der von Gaddafi unterstützte Kampf der Tuaregs um mehr Autonomie war erst vor zwei Jahren mit einer labilen Friedensvereinbarung beendet worden.
Der untergetauchte Saif al-Islam soll sich derzeit in dem schwer zugänglichen Grenzgebiet zwischen Libyen, Algerien und dem Niger aufhalten. Nach Angaben des Chefanklägers am Internationalen Gerichtshofs in Den Haag, Luis Moreno-Ocampo, steht Saif al-Islam derzeit indirekt in Kontakt mit dem Strafgerichtshof. Seine Vermittler suchten Bedingungen für eine mögliche Kapitulation des Gaddafi-Sohnes auszuhandeln, hieß es. Außer um Asyl zu ersuchen oder sich dem Haager Gerichtshof zu stellen, könnte Saif al-Islam im Niger auch eine Flugpiste nutzen, um sich in ein ihm freundlich gesonnenes Land abzusetzen.
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