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Politik
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16. Juni 2008

Arbeitsmarkt: Mit Hartz IV in Rente

 Von MARKUS SIEVERS
Eine Auswertung des DGB zeigt: In den ersten drei Jahren des Hartz-IV-Systems hat sich die Zahl der älteren Hilfebedürftigen um mehr als 20 Prozent erhöht - ein Anstieg, der doppelt so stark ist wie bei den anderen Altersgruppen.  Foto: ddp

Trotz guter Konjunktur: Bei Menschen kurz vor dem Renteneintritt breitet sich die Armut aus. Immer mehr 55- bis 64-Jährige werden arbeitslos.

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Berlin. Trotz guter Konjunktur breitet sich die Armut bei Menschen kurz vor dem Renteneintritt aus. Im Januar 2008 waren nach FR-Informationen 676.787 Männer und Frauen im Alter zwischen 55 und 64 Jahren bei der Bundesagentur für Arbeit arbeitslos gemeldet. Das sind 168.464 mehr als drei Jahre zuvor, was einem Anstieg um ein Drittel entspricht. Auch das wirtschaftlich erfolgreiche Jahr 2007 brachte eine Zunahme um 44.021 (sieben Prozent).

Gute Konjunktur hilft nicht allen

Damit setzt sich eine längerfristige Entwicklung fort. Das zeigt eine Auswertung des DGB-Arbeitsmarktexperten Wilhelm Adamy, die der FR vorliegt. "In den ersten drei Jahren des Hartz-IV-Systems hat sich die Zahl der älteren Hilfebedürftigen um gut 215.000 beziehungsweise 22,7 Prozent erhöht", errechnete Adamy für die Gruppe der 50- bis 64-Jährigen. Der Anstieg sei "doppelt so stark wie bei den anderen Altersgruppen".

Sein Fazit: "Das Verarmungsrisiko Älterer steigt auch bei guter Konjunktur." Daran hätten auch die neuen arbeitsmarktpolitischen Instrumente der großen Koalition nichts ändern können. Seit Oktober 2007 können sich Firmen bis zu 75 Prozent des Lohns erstatten lassen, wenn sie einen Langzeitarbeitslosen dauerhaft einstellen. Zwar sei das Instrument "gut geeignet", um den Jahrgängen kurz vor der Rente zu helfen, meint Adamy. Im ersten Halbjahr seien aber nur 1200 Hartz-IV-Empfänger damit gefördert worden. Auch die Linkspartei schlägt Alarm. "Entgegen der Regierungspropaganda haben wir eine steigende Altersarmut", sagte deren mittelstandspolitische Sprecherin, Sabine Zimmermann, der FR. Das Problem verschärfe sich, weil ältere Arbeitslose kaum Aussicht auf Arbeit hätten und prekäre, schlecht bezahlte Arbeit zunehme. Nur die Hälfte der heute über 50-jährigen Hartz-IV-Bezieher erwirbt laut Zimmermann Rentenansprüche, die über der Sozialhilfeschwelle liegen. Für die anderen drohe die Grundsicherung im Alter, "kurz Sozialhilfe".

Auch der DGB weist auf die Gefahr hin, dass sich für viele Langzeitarbeitslose "die Armut im Rentenalter fortsetzen" werde. Bisher hätten ältere Hartz-IV-Bezieher meist noch mehrere Jahrzehnte in die Rentenversicherung eingezahlt. Das ändere sich aber mit der Zunahme prekärer Beschäftigungsverhältnisse.

Die Bundesagentur für Arbeit warnt dagegen, den Anstieg der absoluten Arbeitslosenwerte bei den Älteren überzubewerten. Durch die demographische Entwicklung sei die Zahl der über 50-Jährigen stark gestiegen. So sei zu erklären, dass die Arbeitslosenquote in der Gruppe der 55- bis 64-Jährigen von 15,7 Prozent auf 11,8 Prozent gesunken sei. In einer im Herbst vorgelegten Untersuchung kam die BA zum Ergebnis, dass Ältere überdurchschnittlich vom Aufschwung profitierten. 2006 sein rund zwei Drittel der neuen Arbeitsplätze an Menschen über 50 gegangen.

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