"Wo immer in der Welt ein Konflikt herrscht", merkt Misrahi, der Alternativforscher mit Pferdeschwanz, an, "hat die Archäologie ihre Hände im Spiel." In Israel dient die nationale Antikenbehörde aber auch der Selbstvergewisserung. "Wir sind eine Gesellschaft der Einwanderer. Umso wichtiger ist uns zu entdecken, dass wir hierher gehören." Misrahi ärgert, dass linke Israelis die Altertumsforschung lieber den Rechten überlassen. Dabei habe ein offener Blick in die Vergangenheit so viel zu bieten, sagt Misrahi: Verständnis für andere Kulturen, für Religionen, die kamen und gingen. Juden, Griechen, Römer, Moslems, Kreuzritter, Mamelucken und Ottomanen.
Lügen und Ängste
Doch an der spektakulärsten Ausgrabungsstätte in Jerusalem geben die Elad-Siedler den Ton an. Angefangen hat das damit, dass Elad vor 15 Jahren ein Besucherzentrum für Ir David bauen wollte. Nach israelischem Recht sind erst sogenannte archäologische Rettungsarbeiten nötig, damit nicht antike Schätze oder jüdische Gebeine unentdeckt unter einem Betonfundament verschwinden. Elad hatte für alles Geld und bekam so den "Koscher-Stempel", wie Misrahi es ausdrückt.
Unter Palästinensern lösen die archäologischen Arbeiten unter Tage wildeste Befürchtungen aus, ihre Häuser könnten einstürzen oder, schlimmer, die Siedler wollten sich zur Al-Aksa-Moschee auf dem Tempelberg vorgraben. Ihre Klagen blieben vor Gericht erfolglos. Als aber die Gerüchteküche kürzlich hochkochte, schaltete sich Premier Benjamin Netanjahu persönlich ein. Die Behauptung, Israel wolle den Tempelberg unterhöhlen, sei eine von "extremen Elementen verbreitete Lüge".
Es ist nicht die einzige, mit der Archäologen zu kämpfen haben. 200 israelische wie internationale Experten fordern jetzt in einer Petition an die Regierung, die Ausgrabungen nicht länger Elad zu überlassen. Archäologie müsse von "engstirnigen politischen oder sektiererischen Interessen" verschont bleiben. In Jerusalem ist das ein frommer Wunsch.
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