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16. Oktober 2012

Architektin über den Alexanderplatz: "Nicht schlimmer als anderswo"

 Von Uwe Aulich
Ingrid Hermannsdörfer, Architektin, berät die Polizei. Foto: Markus Wächter

Nach dem tödlichen Angriff am Alexanderplatz wird auch über die dortige Sicherheit debattiert. Die Architektin Ingrid Hermannsdörfer berät die Polizei in Kriminalprävention und meint: Mit dem Ort an sich habe der Vorfall nichts zu tun.

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Nach dem tödlichen Angriff am Alexanderplatz wird auch über die dortige Sicherheit debattiert. Die Architektin Ingrid Hermannsdörfer berät die Polizei in Kriminalprävention und meint: Mit dem Ort an sich habe der Vorfall nichts zu tun.

Berlin –  

Ingrid Hermannsdörfer hat sich am Dienstag den Tatort in der Rathausstraße noch einmal angesehen. Den Ort, an dem am Sonntag ein 20-Jähriger offenbar grundlos niedergeschlagen wurde, so dass er einen Tag später seinen schweren Kopfverletzungen erlag. Ingrid Hermannsdörfer ist seit 1982 Architektin und arbeitet seit zwei Jahren für die Berliner Polizei im Bereich Städtebauliche Kriminalprävention.

Ihre Einschätzung zu dem Fall: „Es war ein spontaner Gewaltexzess. Eine Situation ist unberechenbar, wenn alkoholisierte Menschen mit einem gewissen Aggressionspotenzial auf andere treffen. Das hat mit dem Ort an sich nichts zu tun“, sagte sie der Berliner Zeitung.

Müll führt zur Verwahrlosung

Dennoch beschweren sich seit Jahren Anwohner über den Zustand auf dem Alexanderplatz, in den Grünflächen rings um den Fernsehturm sowie am Bahnhof. Dreckig sei es, überall liegen Glasscherben herum, es gebe zu wenig Mülleimer. Das führe zu einer Verwahrlosung des Gebiets. Auch fühlen sich viele Anwohner von den Punkern, bettelnden Obdachlosen sowie vom Lärm der Touristen belästigt. Nicht nur am Tage, sondern auch nachts.

Die Architektin hat am Tatort jedoch keine Anhaltspunkte gefunden, die nach ihrer Einschätzung die Gewalttat vom Sonntag befördert hätten. Der Alexanderplatz sei ein Ort, wo viel Betrieb ist, wo sich auch viele Touristen aufhalten, sagt sie. Mehr als 300 000 Menschen sind dort jeden Tag unterwegs. Natürlich gebe es daher mehr Konflikte als an weniger belebten Orten.

„Am Alexanderplatz ist es aber nicht schlimmer als anderswo“, sagt Ingrid Hermannsdörfer. Solch ein extremer Vorfall lasse sich mit den Mitteln der Städtebaulichen Kriminalprävention auch nicht verhindern. „Diese sind kein Allheilmittel, schon gar nicht gegen Gewaltexzesse.“ Delikten wie Taschendiebstahl, Einbruch und Raubtaten könne man aber durch die Gestaltung und den Umbau von Flächen vorbeugen.

Daher berät die Polizei den Senat und die Bezirke zum Beispiel bei der Umgestaltung von Plätzen und Grünanlagen. So auch am Alexanderplatz. Das Gebiet am Fernsehturm wird derzeit für fünf Millionen Euro umgestaltet. Neue Lampen wurden schon installiert, um den kleinen Park gut zu beleuchten und für ein besseres Sicherheitsgefühl der Besucher zu sorgen. Die Wege werden neu mit hellen Teflon-Platten gepflastert, die Schmutz abweisen sollen. Auch Büsche werden entfernt, um die Anlage übersichtlicher und einsehbarer zu machen.

Beleuchtung entschärft gefährliche Passagen

Am Alex arbeitet die Polizei auch in einer Initiative mit, zu der sich Gewerbetreibende, Anwohner und Bezirk zusammengeschlossen haben, um für mehr Sicherheit und Ordnung zu sorgen. So wird weiterhin an dem Beleuchtungskonzept gearbeitet. „Wenn eine Passage, wie es sie am Fernsehturm gibt, gut beleuchtet ist, ist diese Stelle schon entschärft“, so die Architektin.

„Besonders ist uns soziale Kontrolle wichtig.“ Je mehr Menschen sich an einem Platz zu unterschiedlichen Zeiten aufhalten, desto geringer sei die Wahrscheinlichkeit, dass sie Opfer einer Straftat werden.

Als gelungen wertet die Architektin zum Beispiel die Umgestaltung des Leopoldplatzes in Wedding. Auch der Weinbergspark in Mitte, der einmal ein großer Drogenumschlagplatz war, wurde umgebaut. Orte in der Stadt, an denen aus ihrer Sicht dringend etwas getan werden müsste, will Ingrid Hermannsdörfer nicht öffentlich nennen. „Die Menschen würden um diese Gebiete einen Bogen machen. Genau das soll aber nicht passieren.“

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