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20. Dezember 2012

Armutsbericht regional: Reiche Hessen, arme Berliner

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Armut ist in Deutschland ungleich verteilt. Foto: dapd

Deutschland ist, was Armut anbelangt, zutiefst zerrissen. Zu diesem Schluss kommt der Wohlfahrtsverband in seinem regionalen Armutsbericht. Demnach hat erstmals ein West-Bundesland die rote Armutslaterne.

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Weihnachten wird traditionell der Armen gedacht. Und so ist es nicht verwunderlich, dass in dieser Woche ein offizieller Armutsbericht den anderen jagt - mit teilweise unterschiedlichen Ergebnissen. Dennoch liefert der Bericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes vom Donnerstag eine Reihe neuer Erkenntnisse, vor allem, was die regionale Verteilung von Armut in Deutschland angeht.

Demnach ist Deutschland zutiefst gespalten in Regionen, die relativ wenig Armut kennen, und Gebiet, in denen immer mehr Menschen mit dem Allernötigsten auskommen müssen. Demnach sind Berlin und Nordrhein-Westfalen Problemregionen Nummer 1. In den vergangenen fünf Jahren sei in diesen beiden größten Ballungsgebieten die Armutsgefährdung um 25 beziehungsweise 20 Prozent zugenommen. Der Chef des Paritätischen, Ulrich Schneider, sprach von einem "armutspolitischen Erdrutsch". Allein in Berlin war 2011 gut jeder fünfte von Armut bedroht, weil sein Einkommen weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens beträgt.

Armut bundesweit auf Rekordhoch

Sorge bereitet dem Verband auch, dass selbst in Bundesländern wie Hamburg und Brandenburg, in denen zuletzt positive Trends gemessen worden waren, nun die Armut wieder ansteigt, in Hamburg sogar um 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt verringern sich die Unterschiede zwischen Ost und West, allerdings vor allem deswegen, weil der Westen dem höheren Armutsniveau im Osten entgegenstrebt. Mit Bremen hat erstmals ein West-Bundesland die rote Laterne des Landes mit der höchsten Armutsgefährdungsquote (22,3 Prozent) übernommen.

Insgesamt sind dem Bericht zufolge mit 15,1 Prozent mehr Menschen in Deutschland von Armut bedroht als je zuvor - bei steigender Tendenz. Dass 2011 gleichzeitig die Wirtschaft wuchs, die Arbeitslosenquote niedrig blieb und die Zahl der Hartz-IV-Empfänger ebenfalls konstant wertet der Wohlfahrtsverband als eindeutiges Indiz für eine Amerikanisierung des deutschen Arbeitsmarktes: "Viele Menschen haben Arbeit, aber immer weniger können davon leben."

Um die wachsende Armut zu bekämpfen, fordert der Verband ein politisches Sofortprogramm, das neben gesetzlichen Mindestlöhnen und Mindestrenten auch den Ausbau öffentlich geförderter Beschäftigung und die Erhöhung der Hartz-IV-Regelsätze vorsieht. Ein solches Sofortprogramm sei nicht für unter zehn Milliarden Euro zu bekommen, deshalb sei es eine Frage der Vernunft, Reichtum in Deutschland stärker zu besteuern als bisher, so Schneider. Angesichts "fast schon obszön anmutender Vermögensungleichheit" tue Umverteilung Not.

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