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Arzneipreise: Mehr Gewinn mit weniger Pillen

Immer weniger Patienten schlucken die "bitteren Pillen" der Pharmaindustrie. Und dennoch wächst deren Umsatz. Wie geht das? Ländern mit staatlichem Gesundheitssystem scheinen dagegen von der Krise kaum betroffen. Von Roland Bunzenthal

Immer weniger Patienten schlucken die "bitteren Pillen" der Pharmaindustrie. Und dennoch wächst deren Umsatz. Das bedeutet, die Preise dienen als Instrument um die Gewinnmarge zu halten. Aber es sind weniger die Verteuerung eingeführter Mittel als die Monopolpreise der patentgeschützten neuen Wirkstoffe.

Insgesamt wird der Weltmarkt der Arzneien auf rund 785 Milliarden Dollar geschätzt. Doch es gibt in Deutschland mehrere unterschiedlich abgegrenzte Pharmamärkte: den Markt der Apothekenverkäufe. Das waren im vergangenen Jahr rund 25,3 Milliarden Euro, einschließlich vier Milliarden an freiverkäuflichen Mitteln. Und der Markt, der für die Krankenkassen relevant ist. Dabei spielen die von Handel und Herstellern verlangten Rabatte (zuletzt rund 2,3 Milliarden Euro) eine wichtige Rolle.

Vom gesamten Pharmamarkt von 29,3 Milliarden Euro, kassieren der Staat (Mehrwertsteuer) fünf, Apotheken und Handel sieben und Hersteller 17 Milliarden.

Der Preis für ein Medikament ist von zahlreichen Faktoren abhängig: Zum Beispiel in welchem Land es verkauft wird. Die Pharmaindustrie sieht Deutschland beim Preisniveau "im europäischen Mittelfeld". Preisbildend auch, welche Anteile davon Hersteller, Apotheken, Staat und Patienten zu tragen haben. Wie hoch die Forschungskosten für den Wirkstoff waren, ob das Mittel noch patentgeschützt ist oder nicht und ob es einen erkennbaren Fortschritt bringt.

Im vergangenen Jahr mussten die Krankenkassen 5,2 Prozent mehr für Arzneimittel ausgeben. Die verordnete Packungsmenge legte aber kaum zu und die Preise ebenfalls nur um 0,8 Prozent. Wo blieb der Rest der Kostensteigerung: Der Wechsel von älteren, aber billigeren Medikamenten auf teure patentgeschützte Originale ist die Differenz.

Ein Beispiel ist die Firma Merck in Darmstadt. Ihr eintrgäglichstes Medikament ist Rebif, ein Mittel gegen Multiple Sklerose, das 2009 rund 1,6 Milliarden Euro einbrachte. Allerdings verkauft Merck nur etwa ein Zehntel seiner Präparate in Deutschland. Rebif ist in rund 80 Ländern zugelassen. In der Forschungs-Pipeline stecken derzeit zehn Projekte für neue Mittel. Sie schlucken den Hauptteil der Forschungs- und Entwicklungskosten von 1,1 Milliarden Euro. "Weniger beeinträchtigt von der Wirtschaftskrise seien die Geschäfte in Ländern gewesen", heißt es im Geschäftsbericht von 2009, "in denen Medikamente durch staatliche Gesundheitssysteme erstattet werden."

Zur Frage der Frankfurter Rundschau nach der Zusammensetzung der Preise antwortet Merck: "Die Herstellerabgabepreise decken neben den direkten Kosten von Entwicklung, Herstellung und Vertrieb auch gegenwärtige und zukünftige pharmazeutische Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten und das damit verbundene hohe unternehmerische Risiko ab."

Autor:  Roland Bunzenthal
Datum:  10 | 3 | 2010
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